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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Lesen und schreiben

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Der meint auch: Ich hab schreiben gelernt, lern du mal lesen" stöhnt mancher, der ein unleserliches Papier entziffern muss. Unleserlich kann etwas sein, weil sich der Schreiber keine Mühe gab oder zitterte - oder weil zu seiner Zeit eine andere Schrift gebräuchlich war.

Die seit dem Mittelalter übliche "deutsche" Schreibschrift entwickelte sich aus runden Formen zur wilhelminischen "zack-zack"-Schrift, bei der viele Buchstaben im allgemeinen "Auf-ab-auf" kaum zu unterscheiden waren. Sie wurde 1924-31 durch die besser lesbare Sütterlinschrift ersetzt. Schon 1941 wurde die lateinische Schreibschrift eingeführt, die seitdem ein paar Mal verändert wurde.[1]

Die "deutsche Schrift" vor 1918 hatte keinen eigenen Namen und wird heute allgemein ebenfalls Sütterlin genannt. Das ist zwar falsch, aber wie soll man sonst sagen? "Ich kann Deutsch nicht lesen" ist missverständlich. Ich lernte Spanisch von Gastarbeitern: "gacha" 'Kasten', "mutscho" 'viel', und hätte trotzdem vor Rätseln gestanden, wenn ich caja, mucho gelesen hätte. Ich konnte Spanisch nicht lesen.

Zuhören und lesen[2] haben immer was mit raten[3] zu tun: Schon im Altenglischen und Altnordischen bedeuten die Wörter für 'raten' auch 'entziffern'. Im heutigen Englisch ist 'lesen' die Hauptbedeutung von to read. Gemeint ist nicht 'rätseln', welche Buchstaben das sein sollen, sondern 'deuten', verstehen lernen, was gemeint ist.
Unser lesen bedeutet heute noch 'einsammeln, ernten' (Kartoffeln, Weintrauben). Die Bedeutung ist wohl von lateinisch légere 'einsammeln, lesen'
[4] übernommen, das auch 'lauschen' bedeuten kann. Gemeint ist also 'Gehörtes, Geschriebenes aufnehmen, wahrnehmen, verstehen'.


Hinweis eine Leserin:

Eingebürgert hat sich aber auch, von der Kurrentschrift zu sprechen, unter diesem Namen findet sich vieles im Internet.

 

 

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Begriffe Buch | Sprachecke 13.02.2007 | 07.05.2013

 

Datum:

Aktuell: 16.02.2018