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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Flickenteppich

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Was hat die deutsche Rechtschreibung mit dem Steuerrecht gemein? Beide sind kompliziert und haben jede Menge Ausnahmen. Vieles ist altererbt wie Saal, aber Zahl und Säle. Feder, aber Vetter. Einiges verdanken wir der letzten großen Reform von 1996 wie Bett + Tuch = Betttuch, aber Mitte + Tag = Mittag. Und jetzt wieder ein paar Ungereimtheiten: Kampagne[2], aber Collier[3] (beides aus dem Französischen) und trotzdem immer noch Casino / Kasino.[4]

Ich habe den Eindruck: Wir verlangen von unserer Rechtschreibung zu viel. Sie soll

1. so einfache Regeln haben, dass jeder Drittklässler sie beherrscht,

2. das gewohnte Schriftbild möglichst nicht verändern, sodass der Drittklässler auch Texte aus früheren Jahrhunderten lesen kann,

3. mit der Aussprache übereinstimmen, sodass der Drittklässler auf Anhieb auch unbekannte Wörter richtig schreiben und aussprechen kann,

4. gleichlautende Wörter unterscheiden, sodass immer klar zu erkennen ist, dass sowohl schwarze als auch weiße Waisen weise sein können.

Die Reformen waren immer Flickwerk und die erkannten Regeln wurden nicht konsequent angewendet, ja manche Schwachpunkte wurden übersehen (Saal / Säle, Feder / Vetter). Man versuchte Schreibschwierigkeiten immer nur bei ausgewählten Wörtern zu beseitigen, bei anderen aber nicht (Rohheit, aber Hoheit. Musste der Hochadel dazu gefragt werden?) Die Umstellung auf die jetzige ß- / ss-Regel war leicht. Genauso leicht wäre alles, was f gesprochen wird, mit f zu schreiben.

Die Grundfrage ist: Lässt sich eine gewachsene Sprache in ein konsequentes Regelwerk zwängen? Oder muss man sich bei jedem Wort einzeln merken, wie man's schreibt? Wo ist die Mitte, in der die Wahrheit liegt?

 

 

 

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Datum:

Aktuell: 16.02.2018