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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Fundierter Fund

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Wenn Archäologen im Atlantik vor Spanien die Grundmauern einer 11.600 Jahre alten Stadt entdecken mit einer Fläche von 120.000 qm, können sie mit gutem Grund annehmen, dass dies die Überreste des sagenhaften Atlantis sind.[1] Diese Annahme über den Fund wäre gut fundiert.

Es wäre aber nicht fundiert anzunehmen, dass fundiert und Fundament von Fund kämen. Das sind Wörter, die nur zufällig ähnlich sind. Nein, Fund kommt von finden[2] und die beiden Fremdwörter von lateinisch fundus 'Grund, Boden'[3], als indogermanisch bhundhos verwandt mit bhudhmen, deutsch Boden.

Von fundus kommt fundiert 'begründet' und Fundament 'Grundmauer; Grundlage' und davon fundamental 'auf das Fundament bezogen, grundlegend'. Und was sind Fundamentalisten?[4] Keine mit der funda 'Steinschleuder'[5] bewaffneten Kämpfer, sondern Menschen, die sich wie Luther an ein heiliges Buch als die Grundlage ihres Glaubens halten, 1920 im Englischen von bibeltreuen Christen und 1956 von korantreuen Moslems.

In diesem Sinn sind auch Richter "Fundamentalisten", wenn sie sich an die Gesetze halten. Aber kein Richter bringt jeden Mörder lebenslänglich hinter Gitter, nur weil das im Paragraphen steht. Da muss man auch die Umstände berücksichtigen und die umfangreichen Kommentare kennen. Das ist eine Wissenschaft für sich. So ist es auch mit Bibel und Koran. Man kann nicht einfach das Buch aufschlagen und sagen "da steht doch…", also wird's so gemacht.

Es ist ja nicht verboten die Regeln seiner Religion zu befolgen. Was aber wenn sich andere nicht danach richten? Da können ungefestigte Menschen genau wie Tyrannen und Verbrecher zu Mördern werden. Das liegt nicht an ihrer Religion, sondern an ihrem Charakter.

 

 

 

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Echo Online

Sprachecke 30.03.2004

 

Datum: 14.11.2017

Aktuell: 16.02.2018