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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Gesunde Kost[1]

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Noch nie wurden die Menschen so alt wie heute. Und noch nie haben sie so ungesund gelebt. Und was folgt daraus? Das scheinbar Logische ist nicht immer richtig. Lassen Sie sich nicht verrückt machen, leben Sie vernünftig und bleiben Sie gesund. Das wünsche ich Ihnen fürs neue Jahr.

Das ist kein Thema für die Sprachecke. Aber es gibt zwei Wörter, die lassen auf geheimnisvolle Weise einen ähnlichen Zusammenhang erkennen: genesen und ernähren.[2] Auf den ersten Blick haben nes- und nähr- nur das n gemein. Doch wenn wir gewesen / wir waren vergleichen, merken wir: S konnte im Germanischen unter gewissen Bedingungen zu r werden.[3]

Das germanische Grundwort nesan / nas 'geborgen sein' ist nur als ga-nesan überliefert und müsste ursprünglich 'Geborgenheit finden' bedeutet haben, besonders 'einer Gefahr entkommen, überleben, gesund werden'. Dass auch der Hunger eine Gefahr ist, versteht sich von selbst. Was kann man dagegen tun? Essen! Die altenglische und altnordische Ableitung nes-t bedeutete 'Lebensmittel, Wegzehrung'.

Wie bei liegen / lag aus der Vergangenheitsform das bewirkende alte lagjan, heute legen, gebildet wurde, so aus nesan / nas das bewirkende nasjan, nerjen 'retten'. Noch im Althochdeutschen hatte nerjen die umfassende Bedeutung 'retten, erlösen, am Leben erhalten: heilen, verpflegen'. Das heutige nähren bedeutet nur noch 'zu essen geben'.[4]

Das Urwort nes-, nech- lässt sich auch in den zentralasiatischen (nes- 'Glück') und afroasiatischen Sprachen nachweisen (n-ch- 'schützen, trösten, ruhen'). Ähnliche Vokabeln bedeuten 'wir' (uns, lateinisch nôs).[5] Grundbedeutung ist also 'bei den Unsrigen geborgen sein'.

 

 

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Echo Online

 

Datum: 02.01.2018

Aktuell: 28.12.2017