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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Kindsköpfe

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Kleine Kinder zeigen ihre Gefühle als Freude, Schmerz, Ärger, Wut oder Wohlbehagen, aber sie verstehen noch keinen Spaß. Sie fassen alles wörtlich auf und können nicht erkennen, dass man etwas anders meint, als man's sagt. Sie sind unbefangen, naiv[1] und einfach in ihrem Gemüt, nicht hinterlistig und verschlagen.

Früher hätte man das kindliche Wesen alber genannt, 'naiv, ungeschickt, unwissend'. Seit etwa 1600 sagen wir albern und meinen 'kindisch, unseriös, unfähig ernst zu sein'.[2] Im Hessischen haben sich beide Formen gehalten, Olwel 'unhöflicher Kerl'[3] (aus Alber mit 2 l wie Tölpel aus Dörpel 'unkultivierter Dorfbewohner'[4]) und olwern 'unkultiviert, grob, derb'[5]. Das Grundwort ist germanisch alla-wêri 'ganz wahr', althochdeutsch ala-wâri 'wahr, gütig'. Wenn sich einer so verhält, sagen wir heute 'ehrlich, gutmütig'. Wenn er alles für bare Münze nimmt, nennen wir's 'naiv'. Die Gutmütigen können sich's leisten großzügig zu sein. Die Gutgläubigen fallen leicht Betrügern zum Opfer und lassen sich ausnutzen. Eins geht leicht ins andere über, daher sagt der Volksmund: "Zu viel Gutheit ist ein Stück Dummheit."

Dieselbe Doppelbedeutung steckt in einfältig[6], heute im schlechten Sinn von 'gutgläubig', früher im Sinn von 'aufrichtig, ohne Hintergedanken'. "Heilige Einfalt" geht von der älteren Bedeutung aus in der festen Überzeugung, dass solche Menschen ein "reines Herz" haben und innerlich so stark sind, dass ihnen das Böse nichts anhaben kann. Wenn wir heute aber verwundert "Heilige Einfalt!" ausrufen, meinen wir das tadelnd: "Wie kann man bloß so dumm sein!"

Bei kindlich 'wie ein Kind' und kindisch 'unreif, töricht' unterscheiden wir beide Wertungen.

 

 

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Echo Online

Begriffe: Freude

 

Datum: 06.02.2018

Aktuell: 16.02.2018