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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Schluss mit lustig

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Heute ist Fastnacht und morgen Aschermittwoch. Dann ist "alles vorbei"[1] und "Schluss mit lustig." So hieß 1994 ein Buch[2] und ein Film[3]. Da ging's um das traurige Ende einer Party. Peter Hahne griff diese Wendung auf im Titel seines Buchs "Schluss mit Lustig. Das Ende der Spaßgesellschaft" (2005).[4] Kann man nach den Terroranschlägen vom 11.09.2001 noch unbeschwert feiern? Man kann, trotz weiterer Anschläge. "Wir lassen uns nicht einschüchtern." Richtig! Oder ist das ein "Tanz auf dem Vulkan", der jederzeit ausbrechen kann? Das war ein Filmtitel von 1938, ein Aufruf zum Umsturz, ein Jahr vor Kriegsbeginn.[5] Die Redensart soll 1830 kurz vor der Revolution in Paris aufgekommen sein: "Nous dansons sur un volcan", wir tanzen auf einem Vulkan."[6]

Freude und Leid liegen nahe beieinander. Die Stimmung kann plötzlich umschlagen. Das zeigt das Nebeneinander von Lust und Verlust.

Wir betrauern einen Verlust, wenn wir etwas los sind und nicht mehr haben. Lust[7] war ursprünglich das Gefühl nach der Einbuße: die Sehnsucht. "Ich habe jetzt Lust auf das Stück Apfelkuchen", das ich gestern für heute aufgehoben hatte. Ich sehne mich danach und begehre es zu verspeisen. Wird das eine Freude sein, wenn es endlich vor mir auf dem Teller liegt!
Wir unterscheiden heute "Lust auf" und "Lust zu" 'Verlangen nach' und "Lust an" 'Spaß an'.
Die Grundbedeutung von lustig war 'begierig, begehrenswert', daher sachlich 'anmutig, schön', persönlich 'lustvoll, vergnügt'. Daher sagt man: "tu, wozu du lustig bist", wozu du Lust hast. Heute verstehen wir unter lustig 'in ausgelassener Stimmung' und 'komisch, erheiternd'.

 

[1] Schlager (Text) 1953 von Jupp Schmitz

 

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Echo Online

Begriffe: Freude

 

Datum: 13.02.2018

Aktuell: 16.02.2018