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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

"Es ist vollbracht"

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Mohammed und Luther wirkten drei Jahrzehnte, Jesus noch nicht mal drei Jahre. Seine Karriere wurde abrupt beendet durch seine Hinrichtung. Und doch sagte er im Sterben: "Es ist vollbracht."[1] Sein Lebenswerk war zukunftsfähig, weil es nicht perfekt war. Er schrieb keine Bücher, sondern gab nur ein paar Anregungen. Und die wirken weiter bis heute.

Perfekt kennen wir aus der Grammatik. So nennen wir die zusammengesetzte Vergangenheit ("ich habe getan / bin gekommen") im Unterschied zur einfachen ("ich tat / kam"). Heute verdrängen die zusammengesetzten Formen die einfachen ("hat dem Opa sein Haus gekauft" statt "kaufte Opas Haus".
Richtig angewendet wird das Perfekt, wenn ein Bezug zur jeweiligen Gegenwart zu erkennen ist: "hat gekauft und besitzt heute noch". In einen Bericht gehört "kaufte", über die heutigen Besitzverhältnisse wird nichts gesagt. "Die Frau Doktor hat studiert", na klar, aber in ihrem Lebenslauf steht: "studierte in…"

Lateinisch perféctus bedeutet 'fertig gemacht, vollendet, vollkommen, tüchtig'.[2] Das trifft aber die Verwendung des deutschen Perfekts nicht. Denn ob "hat studiert" oder "studierte", beides war früher, und das Ergebnis ist dasselbe.

Im Lateinischen war es anders. Da unterschied man das "vollendete" Perfekt vom "unvollendeten" Imperfekt. Wenn Caesar schreibt "vêni, vîdi, vîci", ich kam, sah, siegte (Perfekt), bezog sich das auf seinen einmaligen Sieg bei der Schlacht bei Zela 47 v. Chr.)[3] Er hätte das auch über sein Leben schreiben können, denn er hat oft gesiegt. Dann aber hätte es geheißen "vincêbam" (Imperfekt): Ich siegte immer wieder. Das hätten seine Gegner auch sagen können: Ich versuchte zu siegen, kam aber nicht gegen Caesar an.

Die deutsche Vergangenheit heißt fachsprachig Präteritum 'vergangene (Zeit)'.[4]

 

 

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Echo Online

Begriffe: Grammatik des Verbs | Sprachecke 27.03.2018 | 03.04.2018 | 10.04.2018

 

Datum: 27.03.2018

Aktuell: 28.03.2018