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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Künftiges Futur

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Zukunft kommt von kommen wie Brunft von brummen, im Unterschied zu Kunst, Brunst (von können, brennen). Ursprünglich hieß es Kumft 'Kommen'[1], Vernumft (von nehmen) und spricht sich ja auch bequemer.

Zukunft war nicht die Zeit, die auf uns "zukommt", sondern die 'Ankunft', im ältesten Beleg und noch 1556 'Invasion'.[2] Im 16. und 17. Jahrhundert überwog die religiöse Literatur, da bezeichnete Zukunft in den meisten Fällen die Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag. Erst 1715 ist mit der Wendung "in Zukunft" die bevorstehende Zeit gemeint.[3]
Wie hat man denn vorher dazu gesagt? Dafür gab es künftig und das seltene Künftigkeit.
Die Zukunft unterliegt keinen Regeln. Es sind nicht nur Naturgesetze wie beim Wetter und bei Katastrophen, sondern auch menschliche Entscheidungen, welche die Weichen für die Folgezeit stellen.

Anders in der Grammatik, da gab es in den alten Sprachen die Zeitform des Futurs, lateinisch témpus futûrum 'die künftige Zeit'.[4]
Das Futur hat besondere Endungen: vîde-o 'ich sehe', vidê-bo 'ich werde sehen', so auch französisch je voi-s / ver-rai, italienisch ved-o / ved-rò. Die germanischen Sprachen hatten kein Futur, daher müssen wir umschreiben: gotisch skal saihwan, schwedisch jag skall se,
, schwedisch jag skall se, englisch I shall see 'ich soll sehen'. Unserm ich werde sehen entspricht gotisch wairtha saihwands 'ich werde sehend' (ai = ä; englisches th und w), ich werde zu einem, der sieht.[5] Im Deutschen ist werden zu einem Hilfsverb geworden, das mit dem Infinitiv steht (wie skal 'soll').

Lateinisch futûrus 'künftig seiend' ist das Partizip Futur von fuísse 'gewesen sein'. Témpus futûrum wurde 1634 als zukünftige Zeit ins Deutsche übersetzt und 1806 als Zukunft vereinfacht.

 

 

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Echo Online

Grammatik des Verbs | Sprachecke 27.03.2018 | 03.04.2018 | 10.04.2018

 

Datum: 10.04.2018

Aktuell: 28.03.2018