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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Worte sparen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Als Anneliese nicht kam, riss Peter gram- und zornerfüllt die Köpfe von den mitgebrachten Feld-, Wald- und Wiesenblumen, schmiss sie in den Fluss[1] und ging sang- und klanglos nach Hause." Hier machen wir uns nicht die Mühe, den gemeinsamen Wortteil zu wiederholen ("sanglos und klanglos") und nennen ihn erst am Ende. Das wird unter "Ergänzungsstrich" bei der Rechtschreibung abgehandelt[2], gehört aber eigentlich als Mittel der Wortbildung in die Grammatik.
Der Name des Ergänzungsstrichs
[3] ist selbst ein Beispiel für unsre Sparmaßnamen: Eigentlich ist das eine Sonderverwendung des Bindestrichs, müsste also "Ergänzungsbindestrich" heißen.[4] Denn es gibt ja auch noch andere Ergänzungsstriche, wie früher die Querstriche durch 7 und Z, zur besseren Unterscheidung von 1 und 2 in der Handschrift.

Einen besonderen Sparzwang erlegen uns die neuen Kommunikationsmittel auf: Für Kurznachrichten steht nur eine begrenzte Zeichenzahl zur Verfügung, da muss man sich kurz fassen, wie früher beim Telegramm. Andrerseits kann man sich in den sozialen Medien schriftlich unterhalten wie am Telefon mündlich. Aber so schnell können wir nicht tippen.[5] Beides zwingt zu Abkürzungen und Kurzwörtern. Damit beschäftigt sich die Sprachökonomie.[6]

Manche Leute pflegen ihre Sätze nicht fertig zu sprechen: "Lass es noch ein bisschen …" Auch so kann man Worte sparen. Aber da geht's um was anderes, das erkennen wir an der nervenden Angewohnheit, das Gegenüber nicht ausreden zu lassen und dessen angefangene Sätze zu beenden: "Lass es noch ein bisschen …" - "… schmoren." Das Ergänzen kann man verstehen als Bevormundung, aber auch als Zeichen von Mitdenken und Einfühlungsvermögen.

 

 

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Echo Online

 

Datum: 02.05.2018

Aktuell: 26.04.2018