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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Simsalabim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Auf einem Baum ein Kuckuck" wurde von einem jungen Jägersmann abgeknallt. "Da war der arme Kuckuck sim saladim bamba saladu saladim".[1]

Dieses traurige Kinderlied von 1838 endete mit dem Tod. Einen ähnlichen Text gibt es auch auf Dänisch und Schwedisch, dort ist aber von einem Raben die Rede. In der schwedischen Fassung brät hernach der Jäger den Vogel und isst ihn. In der heutigen deutschen Fassung ist der Kuckuck im nächsten Jahr wieder da. Kein Wunder, denn er ist sehr scheu, man sieht ihn selten und hört ihn nur im Frühjahr. Ab August macht er einen langen Winterurlaub in Afrika. Wer weiß, ob das im Frühjahr derselbe oder ein anderer Vogel ist?[2]

Echte Volkslieder haben es an sich, dass sie "im Volk" entstanden sind, in geselliger Runde vorgetragen, mitgesungen, der Refrain wiederholt, weitergedichtet. Jubelrufe wie "Juchheissa juchhei, wie schön ist der Mai!"[3] und lautmalende Silben wie simserim simsim simsim"[4] peppen den Text auf. Dazu gehört auch das "Simsaladim…" im Kuckuckslied. Es ist nicht nur Lückenfüller, sondern hat eine Funktion: Es verzögert das letzte Wort des Satzes: "auf einem Baum ein Kuckuck… simsaladim…" Zum Kuckuck, jetzt verrat doch endlich, wie's weitergeht! Was war mit dem Kuckuck?" Der Sänger summt geheimnisvoll: "Sim sim sim" und überlegt: Soll ich's sagen oder nicht? Schließlich verrät er die Lösung: Er schlief nicht und rief nicht und fraß nicht… sondern: "saß"!

Das klingt nach Hokuspokus und Simsalabim. Tatsächlich scheint Simsalabim aus dem Lied zu stammen und ist nicht vor 1922 nachweisbar. Es wurde zum Zauberspruch erst durch moderne Illusionisten im Showgeschäft. Bim statt dim legt sich aus der Fortsetzung "(bim) bamba sala…" nahe.[5]

 

 

 

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Echo Online

 

Datum: 15.05.2018

Aktuell: 10.05.2018