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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Irrtum und Wahrheit[1]

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Geschmacksache, sprach der Affe, als er in die Seife gebissen hatte." Ihm schmeckte die Seife nicht, aber vielleicht anderen. Man kann darüber verschiedener Meinung sein. "Jedem Hund gefällt seine Hütte." Und er kann neidlos oder neidisch zugeben, dass ihm andere Hütten besser gefallen. Das ist Ansichtssache. Aber der Affe kann nicht einfach behaupten, was er in der Hand hat, sei ein Apfel, und der Hund nicht vorgeben in einem Palast zu wohnen, wenn's nur eine gewöhnliche Hundehütte ist. Das wäre gelogen.
Wahrheit ist Realität, sofern sie erkannt und anerkannt wird.
[2] "Erkannt", das heißt wahrgenommen, englisch realized, und "anerkannt", für wahr gehalten, aber nicht naiv für bare Münze genommen, sondern kritisch geprüft. "Prüfet alles und das Gute behaltet" steht schon in der Bibel.[3]
Alles, auch wissenschaftliche Erkenntnisse.

Das Gegenteil von Wahrheit kann absichtliche Lüge[4] oder ungewollter Irrtum sein. Althochdeutsch irri war 'orientierungslos, unwissend, zügellos', ursprünglich 'ohne Selbstkontrolle', in anderen Sprachen auch 'Zorn, Neid, Streitsucht'.[5] Das deutsche irren hat wie lateinisch errare mehr die Bedeutung 'durcheinander sein, auf dem verkehrten Weg sein, eine falsche Meinung haben, daher einen Fehler machen.' Auf sein "Bauchgefühl" hören und seiner Intuition folgen ist gut, aber wer sich blindlings von seinen Trieben leiten lässt, gerät rasch auf Abwege und verirrt sich.

Irre ist merkwürdig verbandelt mit wirr 'ungeordnet, zusammenhanglos, unklar', althochdeutsch werran 'stören, entzweien, beunruhigen', daher auch 'Krieg' (englisch war). Ähnlich gibt es althochdeutsch angar 'Weideland' und wang 'Feld' ohne und mit w.[6]

 

 

 

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Echo Online

Begriffe: Wahrheit und Lüge | Sprachecke 26.06.2007 | 13.07.2010 | 05.11.2013 | 22.05.2018

 

Datum:

Aktuell: 15.05.2018