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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Genitiv oder Dativ bei Präpositionen?

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Frage:

Wir kennen alle das leidige Problem mit wegen mit dem (richtigen) Genitiv und dem (falschen) Dativ. Wie ist es jetzt aber mit den Wörtern (Adverb?) trotz und dank? Ich meinte immer, die müssten mit dem Dativ gebildet werden, weil es trotzdem, dem Wetter zum Trotze und dem Himmel sei Dank heißt und außerdem die Verben trotzen und danken mit dem Dativ gebildet werden. Bis vor kurzem hielt ich also den Genitiv für "falsche Eleganz" wie das "Apostroph S" beim deutschen Genitiv. Nun sagte mir jedoch ein Bekannter, der Genitiv nach trotz und dank habe - wie auch bei wegen - nichts mit einer Analogie zu anderen stammgleichen Formen (die es bei wegen nicht gibt") zu tun, sondern sei eine andere Art Genitiv, d.h. grammatisch korrekt. Wie sieht der sprachliche Fachmann dieses Problem?

   

   

 

Meine Antwort:

Wegen, dank, um willen sind keine echten Präpositionen, sondern präpositionale Nomina, d.h. Substantive, die wie eine Präposition gebraucht werden. Nomina aber werden nicht durch den Dativ, sondern durch den Genitiv miteinander verbunden.
Also:

  • "auf den Wegen der Liebe" > "der Liebe wegen"

  • "aus Dank seiner (= für seine) Hilfe" > "dank seiner Hilfe"

  • "um (= mit Rücksicht auf) Gottes Willen" > "um Gottes willen"

Bei den von Ihnen angeführten Dativ-Konstruktionen handelt es sich nicht um präpositionale Nomina, sondern um echte Substantive. In der Umgangssprache empfinden wir wegen, dank als echte Präpositionen, die wir mit dem Dativ verbinden, und um willen als antiquiert. Ihr Gefühl von "Eleganz" war also gar nicht so verkehrt!

 

Trotz ist ein Sonderfall. Das Wort war ursprünglich mit dem Dativ verbunden (Trotz dem Feind!), was heute noch möglich ist.

 

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Sprachecke 22.10.2013

 

Datum: 2004

Aktuell: 16.02.2018