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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

in Schuss sein

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Frage:

Neulich fiel mir der Ausdruck ein „der oder das ist nicht ganz in Schuss“, der Mensch ist also nicht ganz gesund oder das Gerät ist nicht ganz in Ordnung. Kommt das vielleicht aus der Bandwirkerei, wenn die Bänder aus Kette und Schuss gewebt wurden?

   

   

Meine Antwort:

Dr. Rudolf Köster erwägt in „Duden, Redensarten“ drei Möglichkeiten:
1. von einer schussbereiten Kanone, die auf das Ziel ausgerichtet ist. Dieser Sprachgebrauch ist aber nicht überliefert.
2. von einem Gewebe. Die Kette ist der Längsfaden, der auf dem Webstuhl ausgespannt ist. Der Schuss ist der Querfaden, der beim Weben durch die Kettfäden "geschossen" wird. Die Redensart müsste ursprünglich bedeutet haben, dass die Schussfäden richtig sitzen, d.h. mal drunter, mal drüber, und in rechtem Winkel zu den Kettfäden. Das sollte aber bei einem gelernten Weber selbstverständlich sein. „In Schuss sein“ vom Gewebe ist ebenfalls nicht bezeugt.
3. Von einer Mühle. In Grimms Wörterbuch ist der Ausdruck „das Wasser ist in Schuss“ verzeichnet, d.h. es fließt schnell. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat der Müller die Mühle an- und ausgestellt, indem er das Wasser auf die Mühräder leitete oder nicht. Es könnte also geheißen haben „die Mühle ist in Schuss“, d.h. sie arbeitet. Aber das scheint auch nicht überliefert zu sein.
Nach Grimm ist die Redensart schon vor 150 Jahren nur noch in abgeblasster Bedeutung gebraucht worden, so dass es schwierig ist, den ursprünglichen Zusammenhang zu erkennen.

Es gibt aber noch eine 4. Möglichkeit:
Adelung (1793) definiert „in den Schuss kommen“ als ‚richtig in Fahrt kommen’ (schießen ‚sich schnell bewegen’). Der Ausdruck soll gebraucht worden sein, wenn jemand „einen hohen Grad der Fertigkeit in einem Dinge erlanget.“ Vielleicht ist also gar nicht an einen bestimmten technischen Vorgang gedacht, sondern einfach an eine hohe Geschwindigkeit, die man nur nach entsprechender Beschleunigung erreicht.
Konkret führt Adlung dann an: „Noch figürlicher sagt man, ein Bienenstock stehe im Schusse, wenn er nach dem Schnitte von den Bienen wieder zugebauet wird.“ Gemeint ist wohl: Wenn der Imker den Honig herausnehmen will, muss er den Bienenstock bzw. die Waben auf- oder abschneiden. Wenn er fertig ist, setzt er die Waben wieder ein und die Bienen reparieren die Schäden. – Das scheint mir aber nicht der Ursprung der Redensart zu sein, sondern bereits ein Beispiel für ‚in Ordnung’.

 

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Datum:

Aktuell: 16.02.2018