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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Ländernamen mit Artikel

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Frage:

Betrachtet man die vielen Ländernamen, so stellt man fest, dass die meisten Ländernamen ohne Artikel benutzt werden, wie zum Beispiel: Schweden, Norwegen, Polen, Italien, Spanien etc.

Jedoch gibt es auch viele Ausnahmen, wie zum Beispiel: die Schweiz, die Mongolei, die Ukraine, der Irak, der Sudan, das Vereinigte Königreich.

Aus diesen beiden Gruppen leitet sich dabei ab, dass jeder nach Italien oder nach Spanien fährt – aber niemand nach Schweiz oder nach Sudan, sondern in die Schweiz oder in den Sudan oder in das Vereinigte Königreich. Früher fuhr man nach Persien, aber heute in den Iran.

Vielleicht ist Ihnen dies auch schon aufgefallen.

Ich kann mir vorstellen, dass es sehr schwer ist, dies einem Ausländer verständlich zu machen.

Haben Sie eine Erklärung für diese sprachliche Entwicklung?

 

 

   

Meine Antwort:

Das Vereinigte Königreich, die Bundesrepublik, die DDR, die Vereinigten Staaten / USA, die Sowjetunion sind eigentlich keine Namen, sondern durchsichtige Umschreibungen des Staatsnamens. Man kann ja auch sagen die Bundesrepublik Österreich, das Bundesland Bayern, das Königreich Schweden.

Bei den Ländernamen auf anderen Erdteilen spielen wohl auch die nationalen Gepflogenheiten eine Rolle. Der Irak, der Sudan hat auch im Arabischen einen Artikel (al-Irak, as-Sûdân). Andere Namen dagegen haben keinen Artikel. Sudan soll verkürzt sein aus Bilâd as-Sûdân ‚Länder der Schwarzen’. In diesem Fall (Genetivverbindung) muss im Arabischen der Artikel stehen. In Algerien steckt sogar der arabische Artikel, eigentlich al-Dschesâir ‚die Inseln’. Die Franzosen haben zusätzlich ihren Artikel davorgesetzt: L’Algerie. Im Französischen ist der Artikel vor Ländernamen üblich.

Die Ländernamen, die in anderen Sprachen auf -a enden, enden im Deutschen auf -en. Das war ein alter Dativ und Akkusativ auf die Frage „wo?, wohin?“. Im Mittelalter sagte man also „das Land heißt Italia / Italie, in Italien, nach Italien“. Ähnlich auch bei Siedlungsnamen -hausen, -felden, St. Georgen.

In einigen Fällen ist die Originalendung -ie erhalten geblieben (die Normandie = französisch) oder wurde als -ei eingedeutscht (die Walachei, Tschechei, Türkei, Mongolei, vgl. Melodei). Hier kann also der Artikel stehen und hier steht er auch.

Ländernamen auf -land, -reich usw. tragen keinen Artikel, weil damit ausgedrückt wird, dass es sich um einen Namen und nicht um eine Sachbezeichnung handelt. Deutschland ist eben was anderes als das deutsche Land, die deutschen Lande / Länder, Frankreich was anderes als das Frankenreich, Mecklenburg ist was anderes als die Mecklenburg. Eine strenge Regel gibt’s aber nicht, siehe die Niederlande.

Der Name Schweiz war ursprünglich der Name einer Stadt (Schwyz). Der ursprüngliche Landesname war die schwyzerische Eidgenossenschaft, lateinisch Confoederatio Helvetica, daher die Abkürzung CH und der italienische Name Svizzeria.

Der deutsche Name die Schweiz scheint aus dem längeren Landesnamen gekürzt, daher der Artikel. Wenn der Name mit dem anord. Femininum sveit 'Mannschaft, Kriegerschar, Bezirk' zusammenhängt, dann war Schweiz immer weiblich.

 

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Datum: 2004

Aktuell: 16.02.2018