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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

unverhofft oder unerwartet?

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Frage:

Anfrage zum Wort unverhofft: es taucht manchmal im Zusammenhang mit Ereignissen auf (jemand ist "unverhofft" verstorben / man begegnet jemandem "unverhofft").
Gefühlsmäßig würde ich sagen, "da stimmt was nicht", ohne es wirklich begründen zu können. Ich würde an diesen Stellen grundsätzlich "unerwartet" einsetzen.

   

   

Meine Antwort:

Ihr Gefühl trügt Sie nicht: Unverhofft kommt etwas, was man nicht zu hoffen oder zu wünschen gewagt hat. Die Todesanzeige "unverhofft gestorben" liest sich, als käme der Todesfall den lachenden Erben oder dem überdrüssigen Partner gerade recht. Hoffen, erhoffen hat immer etwas Gutes zum Inhalt, erwarten aber auch: Man sagt zwar: "Meine Tochter erwartet ein Kind" oder "ich erwarte Besuch", aber nicht "ich erwarte einen Einbrecher" oder "Opa erwartet seinen zweiten Herzinfarkt."  Darauf warten wir nicht, sondern werden davon unerwartet überrascht.
Vielleicht musste man ja tatsächlich damit rechnen, dass die schwer kranke Tante bald stirbt. Sachlich richtig wäre "ist unvorhersehbar, ohne dass wir's ahnen konnten, plötzlich gestorben."
Unerwartet klingt nicht ganz so makaber und entspricht dem gängigen Sprachgebrauch. Dann dürfte man aber nicht nur schreiben: "Onkel starb unerwartet", sondern auch: "Tante starb, wie zu erwarten".
Als erstes fiel mir das Sprichwort ein "unverhofft kommt oft", das gilt nicht nur für Lottogewinne und ähnlich angenehme Ereignisse, sondern auch für unangenehme.  Unverhofft heißt es in dem Sprichwort, weil sich's ja reimen muss.

 

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Datum: 2004

Aktuell: 16.02.2018