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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Wortstellung nach und

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Frage:

Ein Leser wunderte sich über eine merkwürdige Wortstellung in alten Briefen, zum Beispiel: "Am 12. September war ich fertig mit Einbauten und lief ich mit Oberl(eutnan)t Wichert aus." Normal müsste es heißen: "und ich lief ... aus".

   

   

Meine Antwort:

Nach einer Orts- oder Zeitangabe stellen wir Satzgegenstand und Satzaussage um, also:
„Ich war fertig“ > „am 12.09. war ich fertig.“
Soll dieser Satz mit einem zweiten durch „und“ verbunden werden, gibt es drei Möglichkeiten:
„Am 12.09. war ich fertig …“
1. Die bisherige Wortstellung wird beibehalten. Gedacht ist: „Am 12. 09. lief ich“
    „und lief ich aus“
2. Der neue Satz wird in der normalen Wortstellung angehängt:
    „und ich lief aus“
3. Das zweite „ich“ fällt weg:
    „und lief aus“

Die Wortstellung 1 („…war ich … und lief ich aus“) kommt mir eleganter vor, weil der ganze Satz eine Einheit bildet. Warum gebrauchen wir aber lieber die 2? Das hat mit den grammatischen Regeln zu tun:
* Mit „und“ werden Hauptsätze miteinander verbunden:
   „Ich war fertig“ + „Ich lief. aus“
* In Hauptsätzen steht normalerweise Satzgegenstand – Satzaussage – Satzergänzung:
   „Ich lief mit Oberlt. Wichert aus“, „Ich hätte ihn alleine nie gefunden“
* In abhängigen Nebensätzen wird umgestellt: Satzgegenstand – Satzergänzung – Satzaussage:
   „den ich alleine nie gefunden hätte“, „denn es durfte nach dem nichts mehr verschänkt werden“
Da der zweite Satz nach „und“ aber kein abhängiger Nebensatz nach „der…, dass, denn, weil, da“ usw. ist, scheint es grammatisch korrekter zu sein, die Wörter normal anzuordnen – ohne Rücksicht darauf, dass sie im ersten Satzteil ja umgestellt sind:
   „und ich lief mit Oberlt. Wichert aus.“

Man kann also nicht sagen, das eine sei richtig und das andere sei falsch. Alle drei Möglichkeiten sind mit den grammatischen Regeln zu begründen.

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 2004

Aktuell: 16.02.2018