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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Dur und Moll

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Frage:

Vor ein paar Tagen sprach in mit Franzosen über Musik und kam dabei auf Dur und Moll und als mich mein Gesprächspartner verständnislos anschaute habe ich mich an mineur und majeur erinnert. Woher haben wir nur das Dur und Moll, die Engländer sagen doch auch major und minor und die "Musiksprache" Italienisch sagt doch auch nicht duro und molle.

   

   

 

Meine Antwort: 

Die mittelalterliche Musik unterschied viele verschiedene Tongeschlechter, die nach griechischen Stämmen bekannt sind: ionisch, dorisch, phrygisch, lydisch, äolisch …, wie sie noch in der älteren klassischen Musik vorkommen. Seit dem 16er-Jahrhundert hat sich das ganze System polarisiert in die beiden Grundgeschlechter Dur und Moll. Sie sind dadurch unterschieden, dass bei Dur der dritte Ton nach dem Grundton eine "große Terz" ist, bei Moll aber eine "kleine Terz", d.h. einen halben Ton tiefer. Daher die romanischen und englischen Ausdrücke "größer, kleiner" (von der Terz).

Die deutschen Bezeichnungen kommen von lateinisch durus 'hart' und mollis 'weich' und bezeichneten ursprünglich die Note auf der mittleren Notenlinie im Violinschlüssel. Sie unterschied man als b durum = h und b molle = b. Ausgangspunkt war also der Kammerton a und man bekam dann je nach Halbtonschritt eine Dur- oder Moll-Tonart. In der Notenschrift kennzeichnete man das b durum mit einer eckigen Note, das b molle mit einer runden. Daher sollen dies beiden Wörter kommen. Aber italienisch duro / molle bedeuten nicht 'eckig / rund', sondern 'hart / weich'. Ich hab's so gelernt, dass die Geschlechter nach dem Klang benannt wären: Dur klingt härter, Moll weicher. Kann es nicht auch so gewesen sein, dass man das eckige und runde Notenzeichen gewählt hat, weil man den eckigen Akkord als hart und den runden als weich empfand?

 

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Übersicht

 

 

 

Datum: 2005

Aktuell: 16.02.2018