Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Potzblitz

Email:

   

Frage:

Können Sie mir vielleicht sagen, woher Potzblitz kommt?

   

   

Meine Antwort:

Nach dem 2. Gebot sollen wir Gottes Namen nicht missbrauchen und ein wohlerzogener Mensch soll auch keine Kraftausdrücke verwenden. Manchmal fährt uns aber doch einer heraus, und da gelingt es uns gerade noch, das verbotene Wort umzuformen in Scheibenkleister. Heute benutzen wir meist Ausdrücke für Fäkalien; früher hat man sich gern religiöser Wörter bedient. So wurde aus Sakrament und Gott(e)s … ein Sapperment, Botz, Potz oder Kotz.

Potzblitz war auch nicht der einzige Ausdruck, daneben gab es z.B. auch Potztausend (1000 Wunder) oder ganz deutlich Potz Sapperment. Potz kam auch als Interjektion allein vor, etwa bei Goethe: "Potz! Bist du einmal erwacht?"

Im Französischen sagte man stattdessen Pieu (statt Dieu). Vgl. auch parbleu statt par Dieu 'bei Gott'.

Als Kind hörte ich Donnerschtag / Herrschaft noch mal! statt Donnerschlag, Herrgott.

All das sind tabuistische Entstellungen: Der Kraftausdruck sollte eine angestaute seelische Energie ungefährlich entladen, indem man bloß "Donner und Blitz" sagte statt dreinzuschlagen. Andrerseits hatte man aber auch Angst, das damit angedrohte Unheil wirklich herbeizurufen, daher die Wortverdrehung.

Sie kennen vielleicht die Redensart, dass man den Teufel nicht an die Wand malen und ihn damit ungewollt herbeirufen soll. Deshalb verdrehte man auch den Namen des Bösen, etwa in Deixel, oder sagte statt dessen Gottseibeiuns.

Genauso hat man auch vermieden, gefährliche Tiere beim Namen zu nennen. Ein Mädchen, das von einem Wolf verschleppt und gerettet worden war, sagte nicht Wolf, sondern Mummhart. Unsere Vorfahren haben früh das altererbte Wort für das große Raubtier verloren (lateinisch ursus) und sagten dafür Bär (eigentlich 'der Braune'). Die Slawen nennen ihn medved 'Honigesser'.

Vielleicht hängt auch damit zusammen, dass die Jäger ihrer Beute andre Namen gaben wie Petz, Lampe statt Bär, Hase: Die Tiere sollen nicht merken, dass von ihnen die Rede ist und der Jäger einen Anschlag auf sie plant.

 

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 2005

Aktuell: 17.11.2016