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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

stehen auf

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Frage:

Im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe sagte ein Reporter im ZDF, Sri Lanka "steht besonders auf die Hilfe aus Deutschland". Die Wendung stehen auf ... erscheint nicht selten in der Bedeutung von 'eine Person oder eine Sache besonders mögen', Diese Person oder diese Sache erscheint dann im Akkusativ, Beispiele könnten lauten: "Hugo steht auf diese Blondine" oder "Erwin steht auf die Krimis von Simenon". Das Verb stehen drückt aber einen Ruhezustand aus, keine Bewegung. Auf die Frage "Wo steht Hugo oder Erwin?" müsste nach auf der Dativ erscheinen. Die Frage könnte nicht lauten "Wohin steht Hugo oder Erwin", was allein zum Akkusativ führen könnte, weil eben stehen keine Bewegung, sondern Ruhe ausdrückt. Was geht da sprachlich vor ?

   

   

Meine Antwort:

Die grammatische Konstruktion ist in der Tat merkwürdig. Ich vermute, dass sich da zwei Gedanken überschnitten haben:
a) Redewendungen wie stehen zu ‚die Treue halten’, beistehen ‚helfen’, bestehen auf ‚an einer Forderung festhalten’ (+ Dativ)
b) Stehen auf hat die Bedeutung von „mögen, lieben“, Wörter die mit dem Akkusativ konstruiert werden.
Duden, Großes Wörterbuch, bezeichnet die Redewendung als „Umgangssprache, Jugendsprache“. Küpper, Wörterbuch der deutschen Alltagssprache will wissen, dass die Wendung um 1920 aufgekommen ist.
Eine einleuchtende Erklärung kenne ich nicht. Die Wörterbücher erklären, was ein Ausdruck bedeutet oder wo er her kommt, aber nur in den seltensten Fällen, welche Gedanken dahinter stehen. Ein echter Mangel! Und dabei werde ich gerade danach immer wieder gefragt.

 

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Datum: 2005

Aktuell: 26.07.2016