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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

"studieren auf"

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Frage:

Heute las ich folgenden Satz: "Die sehr charmante C.C. studiert ab 2006 bei einer Düsseldorfer Privatakademie auf Modejournalistin." Da es mich schon immer geschüttelt hat, wenn ich hörte, jemand studiere "auf Lehramt", würde ich gerne von Ihnen erfahren, woher diese Formulierung kommt und ob sie womöglich sprachlich korrekt ist.

   

   

Meine Antwort:

Was man studieren muss, um Modejournalistin zu werden, weiß ich nicht. Ich habe Theologie "auf Pfarrer" studiert, d.h. um Pfarrer zu werden. Eine andere studiert Pädagogik "auf Lehramt", um einmal das Lehramt ausüben zu können, um Lehrerin zu werden. Ich habe auch Philosophie studiert, aber nicht "auf Philosoph", sondern weil zu meiner Ausbildung auch dieses Fach gehörte. Eine Bekannte studiert Kunstgeschichte, nicht "auf irgend etwas", sondern aus Interesse, ist jetzt im Ruhestand und hat Zeit.
Wie Sie an diesen Beispielen erkennen können, studiert man (was?) ein Fach, auf (wozu?) einen Beruf hin. Oder auch nur aus Interesse. Die Unterscheidung ist schon sinnvoll.
Nach dem Großen Duden gilt "studieren auf" umgangssprachlich. Die Redewendung ist aber alt und wird schon von Goethe gebraucht: "einer meiner Gesellen, … der … mehr auf die Medizin als auf die Musik studierte" (Angabe des Studienzieles), Zitat aus Grimm, Deutsches Wörterbuch 20,278. Von daher gehört der Ausdruck sogar der Hochsprache an.
Er ist auf jeden Fall grammatisch einwandfrei und stilistisch unbedenklich.

 

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Datum: 2005

Aktuell: 26.07.2016