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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Rossdörfer / Rossdorfer Straße

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Frage:

Warum sagt man z.B. Roßdörfer Straße aber z.B. Düsseldorfer Hauptbahnhof, obwohl beide Orte auf -dorf enden?

   

   

Meine Antwort:

Rossdörfer, Gundernhäuser ist ursprünglich ein Einwohnername und ist gebildet wie das alte Römer, Bürger mit Umlaut.

Daneben gibt es das nicht umlautende starke Adjektiv auf -er wie in ein großer Mann, das haben wir in Ortsnamen wie Kammerhof (bei Leeheim, ursprünglich nur Camba, Camben, also der Kamber Hof) oder Wasserhof (zu einem alten wass 'nass', ursprünglich Wassen Bibeloz 'zum nassen Biblis', daher Wasserhof = wasser Hof).

Der Einwohner von Düsseldorf müsste also Düsseldörfer, die dortige Bahnstation Düsseldorfer Bahnhof heißen. Genauso ist der Einwohner von Rossdorf ein Rossdörfer, die nach dem Nachbarort genannte Straße müsste aber Rossdorfer Straße heißen.

In Georgenhausen wurde 1695 ein Georgenhauser Kirchenbuch angelegt. Hier ist das Adjektiv noch richtig gebraucht, ohne Umlaut. Aber in Groß-Zimmern gibt es einen Georgenhäuser Weg.

Diese Unterscheidung ist schwierig. In der Praxis benutzt man offenbar nur eine Form, und zwar ziemlich willkürlich hier so und dort so. Woher will ein Einwohner eines niederrheinischen Dorfs wissen, wie das die Einwohner eines südhessischen Dorfs handhaben?

Es gibt ja noch mehr solche Ungereimtheiten in unsrer Nähe: der Dieburger, Dieburger Straße ohne Umlaut, der Darmstädter, Darmstädter Straße und der Bergsträßer, Bergsträßer Wein mit Umlaut, Erbacher neben Erbächer.

Noch komplizierter: Es gibt in Frankfurt, Hanau und Bruchköbel eine Rossdorfer Straße, benannt nach dem oberhessischen Ort.

Die Standardsprache neigt anscheinend zu den Formen ohne Umlaut.

 

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Datum: 2006

Aktuell: 16.02.2018