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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Den Letzten beißen die Hunde

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Frage:

Kennen Sie die Herkunft bzw. das Alter dieses Sprichwortes?

   

   

Meine Antwort:

Es ist gar nicht so einfach, etwas über die Herkunft eines Sprichworts zu erfahren. In diesem Falle bin ich fündig geworden in Grimms Deutschem Wörterbuch, aber nicht beim Stichwort "Hund", sondern beim Stichwort "letzter". Grimm gibt auch an, woher das Zitat stammt. Diese Angaben sind nicht leicht zu verstehen. Ich hoffe, dass ich den richtigen Lehmann getroffen habe, wenn ich annehme, dass das Sprichwort in folgendem Werk zu finden ist:

  • Christoph Lehmann, Sprichwörter 196 (1640): »Den Letzten fressen die Hund.«

Gedacht wird in den Erklärungen an eine Hetzjagd durch Hunde: Wer nicht schnell genug ist, wird von den Hunden gefressen bzw. gebissen.

Das wundert mich aber, dass sie den Letzten fressen, nicht beißen. Aufgabe der Hundemeute war ja nicht, das Jagdtier zu fressen, sondern es zu stellen und sich darin zu verbeißen. Eine Hetzjagd verlief auch nicht so, dass sich die Hunde gezielt auf das langsamste Tier stürzten, sondern die Jäger suchten sich einen kapitalen Hirsch, einen starken Keiler oder einen Bären aus und hetzten ihn müde, bis er sich den Verfolgern stellte und ein Jäger ihn abstechen konnte.

Eher ist an eine Aktion wildernder Hunde gedacht, die "des Hasen Tod sind", oder ein paar Spitzbuben, die vor den Wachhunden davonlaufen.

Ähnlich englisch: "The devil takes the hindmost", der Teufel erwischt den Hintersten, oder allgemeiner französisch: "malheur au dernier", Pech für den Letzten.

Als Student hatte ich selbst Sprichwörter gesammelt und auch Luthers Sprichwörtersammlung zu Rate gezogen. Dieser Spruch kommt bei Luther offenbar nicht vor. Lehmann scheint das älteste Zeugnis zu sein.

 

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Datum: 2006

Aktuell: 16.02.2018