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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Teekessel-Raten

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Frage:

"Teekesselchen raten", bitte woher kommt dieses Spiel und weshalb dieser Name?

   

   

Meine Antwort:

Die Spielregel des Teekesselspiels ist, dass man gleichlautende Wörter raten muss. Einer fängt an: "Auf mein Teekesselchen kann man sich setzen" – ein anderer: "in meinem Teekesselchen kann man sitzen." (Sitz-Bank und Bank-Gebäude).
Hier steht "Teekesselchen" als Ersatz für das zu ratende Wort. Das Spiel ist also nach diesem Platzhalter benannt.

Wie kommt man gerade auf diesen Namen? Ich kann mich an ein Spiel entsinnen, das wir in unsrer Jugendgruppe (1950er-Jahre) oft gespielt haben. Offiziell heißt es Pantomime (man muss eine Tätigkeit vorführen und die anderen müssen raten, was das sein soll). Wir nannten es Kinderwickeln, weil es mit dieser Tätigkeit bei uns eingeführt wurde. Andere Spiele wie "Schlappes hat den Hut verloren" sind benannt nach den Sätzen, die dabei gesprochen werden.

Grimm führt in seinem Wörterbuch "Theekessel" in den Bedeutungen 'Wasserkessel' und 'Dummkopf' auf, aber nicht das Spiel. Dieses wird also erst nach dem Tod der Brüder Grimm (Mitte 18er-Jahrhundert) aufgekommen sein. Ich vermute, dass es in einer Jugendgruppe entstanden ist. Organisierte Jugendgruppen gibt es seit etwa 1880.
Die Bedeutung 'Dummkopf' ist 1867-80 für Berlin, 1881 für Leipzig und um 1890 in Kassel bezeugt. Das ist ein Hinweis darauf, dass das Spiel in diesem Bereich seinen Namen bekommen haben könnte.

  1. Der Name "Teekessel" könnte also wie beim "Kinderwickeln" entstanden sein, weil dies das erste Wort war, das beim ersten Spiel geraten werden sollte.

  2. Möglich ist auch, dass sich jemand versprochen und aus Versehen das Rätselwort verraten hat. In unsrer Jugendgruppe ist das tatsächlich mal passiert, dass jemand sagte "Mein Zylinder ist viereckig." Gemeint war der Zylinder im Auto (sachlich falsch).

Das würde voraussetzen, dass die Bedeutung 'Dummkopf' bekannt war.

  1. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ein Gruppenleiter sich ein neues Spiel "Synonyme-Raten" überlegt hat und zufällig auf das Platzhalter-Wort "Teekessel" kam. Dazu musste die 2. Bedeutung nicht bekannt sein.

  • Vermutete Entstehungszeit: Ende 18er-Jahrhundert

  • Vermuteter Entstehungsort: Berlin, Sachsen

  • Vermutete Entstehungssituation: organisierte Jugendarbeit

 

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Begriffe: Spiele

 

 

Datum: 2006

Aktuell: 26.07.2016