Startseite | Religion | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Pustekuchen

Email:

Pustekuchen

Scheibenkleister

Pfeifendeckel

Pfifferling

 

Frage:

Als ich jetzt den Ausdruck "Ja, Pustekuchen!" benutzte, fragte ich mich zum ersten Mal, was das für ein Pustekuchen sein soll, der jedenfalls in meinem Kochbuch nicht vorkommt. Im Brockhaus fand ich nichts, und im Duden steht: "umgangssprachlich für aber nein, gerade das Gegenteil". Vielleicht hat dieser Ausdruck ja gar nichts mit Puste und Kuchen zu tun, sondern ist eine Verballhornung eines ganz anderen Wortes?

   

   

Meine Antwort:

Eine schwierige Frage, die Sie mir gestellt haben. Meine Nachschlagewerke lassen auch mich im Stich. So muss ich raten:

In der Vorkriegsliteratur findet sich der Ausdruck "ja Kuchen!" im Sinn von "Denkste". Da könnte ich mir vorstellen, dass er aus einer bestimmten Situation heraus entwickelt worden ist: Da fragt jemand: "Gibt's heute Kuchen?" – Ironische Antwort: "Ja, Kuchen, das hast du dir so gedacht."

Dieser erklärbare Ausdruck scheint in der Nachkriegszeit mit "Puste…" erweiterst worden sein: "Es gibt Kuchen, aber welchen, den man wegpusten kann, flüchtig und leicht wie die Samen der Pusteblume. Fff, weg ist er." – "Von wegen Kuchen, ich wer dir was husten" sagt dasselbe.

Auch der Scheibenkleister fällt mir dazu ein, Ersatz für ein unanständiges Wort, das mit Schei- anfängt. Wahrscheinlich wird man diesen Klebstoff nirgends kaufen können. Man kann auch Scheibenhonig sagen, aber Scheibenkleister ist pfiffiger, da haben wir zweimal hintereinander Ei, wie beim Pustekuchen zweimal U. Ist dieses Gebäck vielleicht Ersatz für ein unanständiges Wort, das mit Pu- anfängt (etwa Pups)?

 

Ergänzung der Leserin:

 

Mir fiel noch ein, dass in meiner rheinhessischen Schwiegerfamilie für den gleichen Tatbestand der Ausdruck "ja Peiwedeggel!" verwendet wird. Ein Pfeifendeckel hat ja eigentlich nichts mit einem Pustekuchen zu tun, außer dass beide mit einem schönen, verächtlichen "P" anfangen.

 

Meine Antwort:

Den Pfeifendeckel gab es ja wirklich: Auf dem Kopf der langen Pfeifen, die im 18er-Jahrhundert schick waren, befand sich ein Deckel.

"Pfeifendeckel" bedeutet 'Das war wohl nichts, das hatte ich mir anders vorgestellt', ein Ausdruck der Enttäuschung. Auch hier kann man fff machen, Luft raus, Dampf ablassen. Vielleicht ist das die richtige Erklärung von Pustekuchen: kein Ersatzwort, sondern einfach fff als Ausdruck der Verachtung oder Enttäuschung. Damit man das besser hört, hat man ein Wort genommen, das damit zu tun hat (pfeifen, pusten). Der Pustekuchen scheint trotzdem erweitert zu sein aus dem ironischen "Ja, Kuchen!"

Zum Pfeifendeckel gehört der Pfifferling, den etwas nicht wert ist: Es ist nicht wert, dass man einen Ton drüber verliert, noch nicht mal einen Pfiff. ("Ich pfeife drauf.") Der Pfiff, vor allem der durch die Zähne, kann ein Zeichen der Anerkennung sein, z. B. wenn ein Mann einer attraktiven Frau nachschaut.

Der Pilz Pfifferling hat nichts damit zu tun, sondern ist ein "Pfefferling", nach seinem Geschmack.

 

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 2007

Aktuell: 24.06.2016