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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

südhessische Wörter

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Frage:

Woher kommen die Wörtern ämbern 'sich äußern, Stellung nehmen', geämbert 'empört', déckmols 'oft, damals', mäulern 'schmusen, knutschen', trumpel 'kleine Geldmenge', voggediefes 'Spaßvogel'?

 

 

   

 

Meine Antwort:

  • Ämbern kommt von mittelhochdeutsch éntwerten 'antworten'. Sich ämbern bedeutet also 'sich verantworten'

  • Déckmols ist hochlautend dickmals zu mittelhochdeutsch dicke 'oft'. Die Bedeutung 'damals' ist ein Versuch, das nicht mehr gebräuchliche Wort zu erklären.

  • Mäulern bedeutet 1. 'ein freches Mundwerk haben', 2. 'gähnen', 3. 'schnäbeln' (von Tauben). Für 'knutschen' bringt das Südhessische Wörterbuch keinen Beleg. Es kann sein, dass 'schnäbeln' aus dem zufällig nicht bezeugten 'küssen' abgeleitet ist. Es kann auch sein, dass 'knutschen' eine neuere Entwicklung ist.

  • Trumpel 'eine Kleinigkeit, armseliges Hab und Gut, geringer Geldbetrag' ist Verkleinerung von Trumm 'Stück', also 'kleines Stück'.

  • Voggediefes, richtig Vocativus 'lateinischer Anredefall' hat im älteren Deutsch die Bedeutung 'Schlauberger, Mensch mit merkwürdigen Ansichten, Schlitzohr, Schelm'. Dieser Sprachgebrauch ist schon bei Grimmelshausen im 16"-Jahrhundert bezeugt. Ich vermute, dass das ein Spitzname des eingebildeten, neunmalklugen Studenten war, der dieses und andere gelehrte Wörter ständig im Mund führte.

 

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Datum: 2007

Aktuell: 16.02.2018