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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Vorfahren, Nachfahren

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Frage:

Wieso gibt es Nachfahren und Nachkommen, aber nur Vorfahren und keine Vorkommen?

 

 

   

 

Meine Antwort:

folgende gleichbedeutende Wörter sind bei uns in Gebrauch:

  • Ahn, Ahnherr, Ahnfrau, Vorfahr, Stammvater, Vorväter, die Altvorderen, die Alten

  • Nachfahr, Nachkomme, Nachwuchs, Abkömmling, die Nachwelt

Beim Gegenteil von Nachkommen ist zu bedenken, dass die Vorfahren ja nicht kommen, sondern gegangen sind (wie bei Vergangenheit / Zukunft). Daher entsprechen sich:

  • Nachkomme / Vorgänger, Vorläufer

Da Vorfahr eindeutig genealogisch zu verstehen ist, bietet sich Gegenwort Nachfahr geradezu an, ohne dass man damit der Sprache Gewalt antun muss. Das Wort -fahr hat natürlich nichts mit dem Auto zu tun, sondern hat noch die alte Bedeutung 'einer, der sich bewegt'. Mit diesem Wort sparen wir uns die Unterscheidung von kommen und gehen. Der Vorfahr ist der, der vor uns dahingefahren ist, der Nachfahr, der nach uns fährt .

Zu Ahn fällt mir die Blut-und-Boden-Ideologie ein. Das Wort ist in meinen Ohren vorbelastet. Es hat außerdem den Nachteil, dass es in seinem ursprünglichen Sinn nur die noch lebenden ältesten Familienmitglieder bezeichnete, also Menschen, die bekannt sind, und nicht solche, nach denen Sie als Familienforscher suchen. Das dazugehörige Gegenwort ist noch enger begrenzt: Enkel ("Ähnkel"), eine Verkleinerungsform wie Hünkel zu Huhn.

Meine Empfehlung also: Sagen Sie Vorfahr, Nachfahr . Beachten Sie bitte, dass das Wort in der Einzahl kein -e hat.

 

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Datum: 2007

Aktuell: 26.07.2016