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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Mehltau

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Frage:

Ich habe gefunden, dass es für den Begriff Mehltau auch die Schreibweise "Meltau" gibt, hier wird in einem Brockhaustext weiter auf Honigtau verwiesen. Vielleicht ist Mehltau eine neuere Schreibweise, die sich an der mehlig-weißen Erscheinung festmacht, dabei aber den süßen Hintergrund verloren hat.
Gibt es einen wortgeschichtlichen Zusammenhang mit franz. miel oder span. miel, beides 'Honig'?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Auch nach der neusten Fassung von Duden schreibt man diese Pilzerkrankung an Pflanzen immer noch mit H.

Bei diesem Wort hat sich im Laufe der Zeit die Bedeutung verändert. Aengl. meledéaw bezeichnet eine honigähnliche Substanz auf Pflanzen, etwa Nektar oder was wir heute Honigtau nennen, ein zuckerhaltiges Blattlaussekret. Ahd. militow lässt sich nicht definieren. Mhd. miltou bezeichnet schon eine schädliche Pflanzenkrankheit, darauf weist auch schon die Umdeutung "Milchtau" (weiß, nicht flüssig). Der Übergang in der Bedeutung hängt wohl damit zusammen, dass Mehl- und Honigtau auf den Blättern zu finden ist.

Déaw, tou ist eigentlich der Wasser-Tau. Von daher sollte man annehmen, dass es sich um einen flüssigen, nicht um einen trocknen Belag gehandelt hat.

Das erste Wort muss 'Honig' bedeutet. Anknüpfungspunkt ist nicht nur das rom. miel, sondern auch das zugrunde liegende lat. mel, got. milit 'Honig', griech. Genitiv μέλιτος mélitos 'Honig'.

Mehltau ist umgedeutet auf den weißlichen Pilzbelag; meiner Meinung nach ist die Duden-Schreibung berechtigt, weil das Wort ja seine Bedeutung geändert hat und weil wir den flüssigen Belag heute Honigtau nennen.

 

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Datum: 2008

Aktuell: 08.05.2018