Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

mögen / möchten

Email:

   

Frage:

In den TV-Nachrichten sagt die Sprecherin häufig am Ende: "Bis morgen, wenn Sie mögen".

Muß es hier nicht heißen: "Wenn Sie möchten"? Oder ist beides möglich?

Wann also sagt man "mögen" und wann "möchten"?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Sie sprechen ein sehr kniffeliges Problem an. Möchten kursiert heute schon fast als ein eigenes Wort, das 'haben wollen' bzw. zivilisiert 'wünschen' bedeutet. Tatsächlich ist aber, wie Sie sicher wissen, möchte der 2. Konjunktiv von mögen. Sie können an der Fleischtheke sagen "Ich möchte…" oder "ich hätte gern…"

Mögen bedeutete ursprünglich 'vermögen, können' und hat heute als Vollverb unter anderem die Bedeutung 'gern haben' ("Ich mag dich, ich mag Pfannkuchen"). Ich mag auch die Tagesschau im ZDF, sogar wenn mir Barbara Halweg mir freigestellt hat, heute Abend einen anderen Sender zu wählen.

"Bis morgen, wenn Sie mögen" meint also: "wenn Sie immer noch diese Sendung lieben." Sollte es mal soweit kommen, dass die mich ärgern, wechsle ich zu ARD oder sonst wohin.

"Bis morgen, wenn Sie möchten" würde bedeutet: "wenn Sie immer noch diese Sendung wünschen." Ich stehe aber nicht vor einer Wahl, bei der ich mich jeden Abend neu entscheiden muss, sondern ich versuche mir's einzurichten, dass ich die Tagesschau im ZDF sehe. ARD ist nur zweite Wahl.

Von daher scheint mir "wenn Sie mögen" die richtige Formulierung zu sein.

 

nach oben

Übersicht

 

Sprachecke 05.07.2005

 

Datum: 2008

Aktuell: 16.02.2018