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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

schien / scheinte

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Frage:

Vor etwa zwei Wochen schwärmte ein Moderator im Radio von dem bunten Herbstlaub an den Bäumen. Er sagte, wie schön es war, als die Sonne durch dieses Laub gescheint hat. Dann stockte er und fragte: "Oder heißt es geschienen?"

 

 

   

 

Meine Antwort:

Nach Duden Grammatik § 704 ist scheinen ein starkes Verb, das seine Stammformen nicht mit -t, sondern mit Ablaut bildet, also scheinen / schien / geschienen.

Woher kommt aber unsre Unsicherheit? Tatsächlich breiten sich in der Umgangssprache die schwachen Formen scheinte / gescheint aus, wie folgende Suchergebnisse bei Google zeigen:

geschienen

62.300

 

gescheint

5.340

 

schien

4.450.000

(darunter ein Familienname Schien)

scheinte

27.500.000

 

Nun könnte es ja sein, dass man einen Unterschied macht zwischen den beiden Bedeutungen 'leuchten' und 'so aussehen, als ob'. Auch da habe ich bei Google nachgesehen:

scheinte mir

302

= 1 : 808

schien mir

244.000

Sonne scheinte

13.000

= 1 : 9

Sonne schien

117.000

Der Trend geht also dahin, dass man künftig sagen wird: "Mir schien, dass die Sonne scheinte" – also nicht keine grammatische Vereinfachung, sondern eine Bedeutungsdifferenzierung, keine "Sprachverlotterung", sondern eine Verfeinerung der Ausdrucksmöglichkeiten.

 

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Datum: 2008

Aktuell: 16.02.2018