Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

"Tüsch" statt "Tisch"

Email:

   

Frage:

Vor einigen Jahren nannte mir jemand am Telefon seinen Namen "Tüsch", was mir zunächst ungewöhnlich vorkam. Heute bin ich sicher, dass sein richtiger Name "Tisch" ist. Seitdem höre ich immer häufiger im Bekanntenkreis, Fernsehen, Radio usw. wie folgt ausgesprochene Wörter:

  • i vor r: würd, würklich, Kürche, vürzig, Schürm, ürgendwie, Landwürte, ?

  • i vor mm: schwümmen, stümmt, ümmer, ?

  • i vor sch: Füsch, Tüsch, zwüschen, Müschung, verwüscht, gewünnen, ?

Manchmal ergeben sich seltsame Veränderungen:

  • "vierundvierzig" wird zu "vierundvürzig" (inkonsequent?)

  • "schwimmen" wird oft noch verkürzt zu "schwümm"

  • "würkte"

Ich habe den Eindruck, dass besonders Leute aus Nord- und Ostdeutschland diese Aussprache pflegen. Es interessiert mich sehr, ob auch Ihnen oder evtl. anderen Leuten dies aufgefallen ist, ob Regeln für diese Aussprache erkennbar sind und ob es "würklich" eine Zunahme gibt, evtl. auch in den Süden unseres Sprachraumes.

 

 

   

 

Meine Antwort:

Es gab in der Vergangenheit drei Regeln:

  1. vor ehemaligem I oder J trat Umlaut ein, also mannisco > menisco > Mensch (eigentlich "Männsch"), bôsi > böse, ubil > übel

  2. Beim Konjugieren oder Deklinieren konnte Umlaut eintreten (tat / täte; Fuß / Füße)

  3. Benachbartes B, P, F, V, W, M konnte einen Vokal runden (zwelf > zwölf, Wirde > Würde). Das betrifft nur e > ö und i > ü.

Im Hochdeutschen gibt es eine Menge Schreibunsicherheiten: In alten Texten steht "Hülfe" (gerundet wegen des F, Regel 3), heute schreibt man "Hilfe".

So ist es auch mit der norddeutsche Aussprache. Die meisten Ihrer Beispiele lassen sich mit Regel 3 erklären. Das andere sind Analogiebildungen. Wenn man sich Ü statt I erst mal angewöhnt hat und die Regeln kennt, dann wendet man sie auch auf andere Wörter an (z. B. "Tüsch").

 

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 2008

Aktuell: 26.07.2016