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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Gegenteil von obig

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Frage:

Gerade schreibe ich einen förmlichen Brief, bei dem mir zum wiederholten Male eine Frage kommt. Man formuliert gelegentlich statt "…im Text oben…" wahlweise auch "…in obigem Text….". Da müsste es doch auch zu unten ein entsprechendes Wort geben untig

 

 

   

 

Meine Antwort:

Die richtige Antwort ist wohl, dass Schreiber und Leser wissen, was oben steht, aber nicht, was unten stehen wird.

Trotzdem gibt es ja Formulierungen wie "ich der Unterzeichnete" (altertümliches Beamtendeutsch) und "Folgendes", "im Folgenden", "siehe unten". Tatsächlich stammt ja obig ebenfalls aus dem Beamtendeutsch. Früher schrieb man auch obgenannt und gemeldt, im Bestreben, die verklausulierten Formulierungen nicht noch komplizierter zu machen, sondern abzukürzen.

Obig, obgenannt, obliegen, Obmann enthalten eine uralte Präposition ob, die sich zu oben, ober verhält wie West zu Westen und Wester….

Unter ist aber nicht abgeleitet von unt, sondern von in mit der Anfügung -dher = lateinisch infra 'unter' bzw. -ter = lateinisch inter 'zwischen' (der größte unter uns = in unsrer Mitte, nicht unter unsren Füßen).

Das ist der grammatische Grund, warum es kein untig geben kann. Innig ist etwas Anderes.

 

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Datum: 2008

Aktuell: 16.02.2018