Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Teufelsbraten

Email:

   

Frage:

Was hat Teufelsbraten (Satansbraten) mit Braten zu tun?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Im Märchen vom Teufel mit den drei goldenen Haaren kommt der Held in die Hölle, um eine Mutprobe zu bestehen. Des Teufels Frau (oder Großmutter) versteckt ihn, aber der Teufel ist ein Menschenfresser und will den Helden fressen. Der Held wäre ihm als "Teufelsbraten" gerade recht gekommen. Der Ausdruck ist also ganz wörtlich zu verstehen: Der Teufel hat Hunger auf Menschenfleisch, so wie auch der Wolf im Märchen Menschen frisst und die Hänsel-und-Gretel-Hexe fressen will.

Wenn man sich nicht vorsieht, frisst einem der Teufel auf. Dazu noch ein Beleg (18b): Geht in die Kerch, ehr Buwe! Do werd nix dreigeredt! Euch Mädercher vörm Danze Schadt aach e Predigt net Es thut schon Noth de Parre, Macht euch de Standpunkt klor, Sunst schluckt euch doch de Deiwel Zuletzt mit Haut un Hoor. "Geht in die Kirche, ihr Buben. Da wird nichts dreingeredet! Euch Mädchen vor dem Tanzen schadet auch eine Predigt nicht! Es tut schon Not der Pfarrer, macht euch den Standpunkt klar, Sonst schluckt euch noch der Teufel zuletzt mit Haut und Haar."

Da geht es um eine Urangst, von einem übermächtigen Wesen verschlungen zu werden. Sie kennen vielleicht die Sage vom griechischen Urgott Kronos, der sechs seiner Kinder gefressen hat: Es ist unschwer zuerkennen, dass diese alte Geschichte in der von den 7 Geißlein fortwirkt.

Es werden auch viele Geschichten erzählt, wie jemand für ein bisschen Geld dem Teufel seine Seele verschrieben hat. Der Dr. Faust soll tatsächlich vom Teufel geholt worden sein. Was macht er dann mit ihm? Das wird nirgends gesagt, aber die Vorstellung ist doch die, dass der Teufel sich von Menschen bzw. ihren Seelen ernährt. Er hat nur soviel Macht, wie ihm die Menschen geben. Sonst muss er verhungern.

Das Gemeine ist daran ist, dass der Teufel den Menschen ganz und gar vernichtet und ihm damit die Chance aufs ewige Leben nimmt.

Die totale Vernichtung kommt zum Ausdruck im schrecklichen Ende von Max und Moritz: Der Müller wirft sie in den Mühlentrichter und die Überreste werden von den Gänsen gefressen. Max und Moritz sind vernichtet.

 

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 2009

Aktuell: 26.07.2016