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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Kalender machen

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Frage:

Woher stammt die Redwendung "Kalender machen"? Für mich bedeutet das: auf einen Punkt zu schauen (leicht verschwommen) ohne genau hinzusehen, also zu träumen oder mit offenen Augen zu schlafen.

 

 

   

 

Meine Antwort:

Ich habe mir lange Zeit den Kalender selbst gemacht. An sich ist es ja keine Kunst, die Monatstage der Reihe nach aufzuschreiben und die Wochentage richtig zu verteilen. Wann Weihnachten ist, weiß man auch. Aber dann wird's schwierig: Wann ist Ostern? (am 1. Sonntag nach Frühlings-Vollmond). Da braucht man also auch die Mondphasen. Von Ostern aus kann man berechnen, wann Fastnacht und wann Pfingsten ist usw. Wann ist Heinerfest? Wann hat noch mal die Tante Anna Geburtstag? Vieles kann man heute nachschlagen. Für die Ostertermine habe ich eine Tabelle, aus der sich auch die anderen Feiertage ergeben. Den Heinerfest-Termin wusste ich mal auswendig, Tante Annas Geburtstag auch, wenn nicht kann ich nachschlagen.

Das alles mussten die Kalendermacher früherer Zeiten auch leisten, und vieles mit Kopfrechnen (wie die Mondphasen). Wenn das nicht nur eine einfache Monatsübersicht mit Wochen-, Feier- und Heiligentagen werden sollte, dann konnte man auch noch Wissenswertes in dem Kalenderwerk unterbringen wie astronomische / astrologische Daten, Wetterregeln oder Geschichten. All das erforderte viel Denkarbeit. Daher der Ausdruck: "Gell du machst Kalender?", wenn jemand Löcher in die Luft guckt.

Diese Redensart ist alt und ähnlich schon im 17. Jahrhundert überliefert, und zwar in der Bedeutung 'grübeln, nachdenken'.

 

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Datum: 2010

Aktuell: 16.02.2018