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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Hofreite

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Frage:

Kürzlich begegnete mir mal wieder die Hofreite - was bedeutet Reite, wo kommt es her? Sonst ist es ja komplett aus unserer Sprache

verschwunden.

 

 

   

 

Meine Antwort:

Hofreite ist in unsrer Gegend durchaus noch gebräuchlich in der Form Howwerat, meist Howwert und gehört zum Sonderwortschatz der Bauern. Es gibt eine eigene Wissenschaft, die sich mit den traditionellen Formen von Haus, Bauernhof und Dorf beschäftigt. Da nannte man früher die nach allen vier Seiten mit Gebäuden umgebene Anlage "fränkische Hofreite", die man vom Rhein bis weit nach Ostdeutschland hinein findet: vorne überdachte Toreinfahrt, hinten die Scheuer, auf einer Seite Wohnhaus und Ställe, auf der anderen weitere Gebäude. Hinter der Scheuer schließt sich der Garten an. Heute scheint man von diesem Ausdruck abgekommen zu sein und spricht von Vier- und Dreiseitenhof. Im Gebirge musste man bauen, wie es der Platz zuließ. Da stehen die Wirtschaftsgebäude unregelmäßig verteilt oder es befindet sind alles unter einem Dach, vorne Wohnteil, in der Mitte Ställe, hinten die Scheuer .

Das bäuerliche Wort ist weniger speziell und bezeichnet einfach den Gebäudekomplex.

Hofreite kann man deuten als 'Platz, wo man zubereitet, ehemaliger Arbeits- und Lagerplatz beim Hausbau'

Das Wort wurde wahrscheinlich zur Unterscheidung von anderen "Höfen". Hof war ursprünglich der Bauernhof. Manche Höfe waren in Königsbesitz. Der König konnte bei seinen ständigen Reisen dort "Hof halten". Er wählte Bauernhofe, weil ja der ganze "Hofstaat" den Pferden und Hunden ernährt werden musste. Hof bedeutet aber auch die freie Fläche zwischen zusammengehörigen Gebäuden. Die Hofreite könnte  also den 'Innenhof' bezeichnet haben.

Dieser dient ja noch heute nicht nur als Platz für den Misthaufen, sondern vor allem als Verkehrsfläche, als Park- und Rangierplatz. Die Pferde wurden im Hof gesattelt, die Zugtiere dort angeschirrt. Im Freien werden auch heute die landwirtschaftlichen Geräte einsatzbereit gemacht, die Anhänger an den Traktor gekoppelt. Auf vielen Höfen hat die Scheuer einen Hinterausgang, so dass man geradewegs ins Feld fahren kann.

 

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Datum: 2011

Aktuell: 26.07.2016