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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Synonyme für kotzen

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Frage:

Beim Rumspielen mit den heutigen Wörtern kam ich auf den Gebrauch "mir ist übel/ schlecht" und dann "ich muss gleich spucken/ brechen/ (mit Verlaub) kotzen". Wie haben sich denn die beiden letzten Begriffe entwickelt?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Sie fragten nach den Synonymen spucken und brechen für "rückwärts essen": Ihr "mit Verlaub" zeigt, dass Ihnen bewusst ist, dass man über Ausscheidungen und alles, was damit zusammenhängt, nicht spricht. Das lässt sich aber nicht immer vermeiden, also umschreibt man, was gemeint ist.

  • Das treffende Wort, m. V., ist kotzen, entstanden im Spätmittelalter aus kopzen, dies wiederum aus koppen 'rülpsen', eine Lautgeste, die tief hinten im Hals beginnt (k), ein dumpfes Geräusch erzeugt (o) und dann abrupt mit geschlossenem Mund ein Ende findet (p), wenn man halbwegs den Regeln des Anstands folgen will.

  • Auch spucken und speien sind Lautgesten: Man sammelt die Flüssigkeit im Mund (sch) und befördert sie explosionsartig durch Überdruck nach außen (p). Dass sich das auch mit dem machen lässt, was eine Etage tiefer entsteht, versteht sich von selbst.

  • Brechen ist Kurzform von sich erbrechen im Sinn von 'hervorbrechen lassen'. Die Vorsilbe er- betont den Anfang eines Geschehens: erklären 'klar machen, so dass man dauerhaft Bescheid weiß' – erfinden 'etwas Neues finden und nicht gleich wieder vergessen' – erzählen 'anfangen aufzuzählen, was man erlebt hat'. "Sie erbrach den Brief" bedeutet bekanntlich 'sie zerbrach das Siegel, riss den Umschlag auf', ebenfalls ein inchoativer Aspekt, der den Beginn betont.

  • Man kann auch sich übergeben sagen. Übergeben bedeutet normalerweise 'aushändigen'. Über ist in diesem Fall 'hinüber, von einer Person zur anderen' Oder 'von unten hinauf, dem Überlegenen geben'. Bei sich übergeben denkt man wohl daran, dass das, was man da von sich gibt, einen Höhenunterschied überwindet, erst rauf, dann runter.

  • Kübeln drückt aus, dass der Auswurf sinnvollerweise im Kübel oder Eimer landet.

  • Da Reiher und andere Vögel ihre Jungen dadurch füttern, dass sie die Nahrung erst runterschlucken und dann wieder hervorwürgen, kann man auch reihern sagen.

  • Die scherzhaften Umschreibungen "die Fische füttern" und "dem Neptun opfern" beziehen sich wohl auf die Auswirkungen der Seekrankheit.

 

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Datum: 2011

Aktuell: 26.07.2016