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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Muffel

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Frage:
Viele Grüße vom Faschingsmuffel (woher kommt Muffel?).

 

 

   

 

Meine Antwort:

Ein Muffel ist eigentlich ein mürrisch dreinblickender Mensch, sodann einer, der sich aus etwas (z.B. Mode, Sport, Fastnacht) nichts macht. Im 15. Jahrhundert war Muff ein 'verdrießlicher Mund', mupfen 'den Mund verziehen' (daher aufmüpfig), muflen 'die Kiefer auf und ab bewegen', also dieselbe Silbe wie in 'Mund' und 'Maul'.

Verwandt damit ist niederländisch mopperen 'brummen, murren', englisch to mope 'Trübsal blasen' und der Mops-Hund (aus dem Niederländischen?), der sauer ist, weil man ihm die Schnauze demoliert hat. Der alte hochdeutsche Name ist der Muffel, eigentlich 'kurze Schnauze'. Dazu französisch mufle 'kurze Schnauze, Tierkopf, hässliches Gesicht, Tölpel' und nach der Form moufle 'Fausthandschuh'. Ferner Mief, Muff 'modriger Geruch', vor dem man die Nase rümpft.

Im Hessischen ist Muffel (wenn man den Mund voll hat, kann man nur noch "muff" sagen) oder Mumbel (Odenwald gekürzt aus Mundvoll) ein Happen, so viel, wie man abbeißen und auf einmal in den Mund nehmen kann.

Entfernt verwandt ist mucken 'einen unterdrückten Laut von sich geben' (nicht ein langes "mu", sondern durch ck gleich wieder abgehackt), wiederholt mucksen, ferner mokieren 'sich über jemand abfällig äußern' (aus dem Französischen). Im alten Rom haben die Kühe "mugiert" (mugire 'brüllen'). Die Mücke brüllt zwar nicht, erzeugt aber ihrer Körpergröße entsprechende ähnlich Töne. Auch Maultier und –Esel scheinen zu den Brüllern zu gehören, nicht weil sie Mäuler haben, sondern weil sie ebenfalls "mugieren": Der Pferdesel heißt auf Lateinisch mulus, das wohl aus mugh-slos abgeleitet ist.

Davon fernzuhalten ist das Wildschaf Mufflon aus französisch mouflon aus dem Sardischen.

 

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Fragen: Mutzekiepchen

Etymologie muh | mummen | Muffel

 

Datum: 2011

Aktuell: 26.03.2016