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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

verhohnepipeln

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Frage:
Vor vielen Jahren fühlte ich mich manchmal von meiner Mutter verhohnepipelt, ohne zu wissen, wo dieses Wort seinen Ursprung hat, während ich es als 'verklappst, verspottet verstanden habe. Hat es etwas mit honeur zu tun und stammt aus der napoleonischen Zeit, oder liegen die Wurzeln an ganz anderer Stelle?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Verhohnepipeln ist ja so ungefähr das Gegenteil von honeur und honorer.

Die Geschichte dieses Wortes ist rätselhaft. Es ist seit dem 19. Jahrhundert bezeugt und wird auf Hohn, verhöhnen bezogen

Vergleichbar sind die älteren Ausdrücke:

  • verhoneckeln 'höhnend necken, verhunzen' und das einfache honecken 'höhnen, verspotten', das wohl kaum = hohn + necken ist.

  • Hessisch Hannickel war die Kurzform von Johannes Nikolaus, ein Allerweltsname, den man auch als Schimpfwort verwendete. Verhannickeln war aber 'wie ein Hannickel verschwenden, vergeuden, verpfuschen'.

  • hohlhippe(l)n 'schmähen, lästern, spotten', angeblich von Hohlhippe 'zusammengerollte Hippe', das war ein dünner, oblatenförmiger Kuchen. Die wurden von Hippenbuben, -jungen, -männern, -rufern, Hippern, Hipplern, aber nicht von Hohlhipplern verkauft. Man kann sich vorstellen, welches Mundwerk und Benehmen diese Verkäufer hatten.

  • Nun gab es aber auch ein einfachen hippen oder hiepen, das ebenfalls 'schmähen, lästern' bedeutet hat und mit dem hessischen Spott- und Neckruf hepp zusammenzuhängen scheint, mit dem man auch Ziegen anlockte. Hippe kann ja auch 'Ziege' bedeuten.
    Hohlhippen
    scheint dieses Wort auf das Gebäck bezogen zu haben. Ich glaube aber nicht, dass das die Mutter von verhohnepipeln ist. 

  • Recht nahe an verhohnepipeln kommt hessisch verhannappeln, ‑äppeln, ‑duddeln, ‑oseln, ‑täppeln und verhannebabbeln, alle in der Bedeutung 'verspotten'. Nicht in die Familie gehört hänseln, eigentlich 'durch einen Streich in die Hanse aufnehmen'.

Die einfachste Erklärung ist, dass das alles Spielformen eine Wortidee ist, die man nicht richtig gehört, verstanden oder in Erinnerung hatte, als man meinte, diesen seltenen Ausdruck gebrauchen zu müssen. Das ist ja die Art, wie man auf natürliche Weise Wörter lernt. Wie sie richtig lauten, erfährt man, wenn man sie immer wieder von verschiedenen Leuten hört.

 

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Datum: 2011

Aktuell: 26.03.2016