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Heinrich Tischner

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64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Rabatz

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Frage:
Vor kurzem benutzte ich den Ausdruck "Rabatz machen", im Sinne von 'Krach machen' oder 'die Auseinandersetzung suchen'. Dabei überlegte ich, woher das Wort Rabatz wohl kommen mag: vielleicht aus dem Jiddischen oder aus dem Rotwelsch; oder ist es einfach nur ein lautmalerischer Ausdruck? In meinem Duden steht nur "umgangssprachlich"; im Brockhaus und sogar in Wikipedia fand ich gar nichts. Können Sie mir weiterhelfen?

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] Duden

[2] Kluge 2002

[3] Sachsen Mü-Fr  2,323: rabanzen 'herumtollen, Geräusche verursachen, geschäftig sein, sich streiten'

[4]  Luxemburg: rabassen, -tz- 'anschnauzen, durchhecheln, verleumden'

[5] Grimm 14,210 ratzen 'necken, foppen, balgen'

[6] Grimm 14,112 ranzen 'anfahren, schelten schimpfen'

[7] Godefroy rabaschement 'Lärm, den Kobolde machen', rabast 'Kobold'

[8] Meyer-Lübke 7049

[9] ShWb 4,1278; 1164 f

 

   

 

Meine Antwort:

Der normale "Duden" ist nur ein Rechtschreib-Wörterbuch. Mehr Informationen gibt es bei Duden online.
"aus dem Berlinischen, wohl zu polnisch rąbać = schlagen, hauen"
Das Häkchen unterm erste a zeigt eine nasalierte Aussprache an, -ać ist die Infinitivendung, also ursprünglich *ramb-ati oder *ranb-ati.
Das erinnert an Rambazamba, das ebenfalls aus Berlin stammen soll
[1] und wegen des ausgesprochenen -mb- bestimmt nicht aus dem Polnischen kommt.

Zwei andere Erklärung hat Kluge:
[2]
Rabatz "lärmendes Treiben" (20. Jh.).
1. Zu rabatzen (neben rabanzen
[3] u.a.) "lärmen, toben" [4], auch einfach "geschäftig sein". Streckform aus ratzen [5] (ranzen [6]) "herumtoben".
2. Zu beachten ist aber mfrz. rabascher "Lärm machen (von Kobolden)" zu einem als früh-rom. *rabbast- zu erschließenden romanischen Wort für "Kobold".
[7]
Bei einer Streckform wir ein Vokal gedehnt, in zwei Silben zerlegt und ein passender Konsonant eingeschoben, Beispiel "ja > jaa > jaha"

Als ich über Ihre Frage nachdachte, fiel mir auch hess. Rawâsch(e) 'Lärm, Durcheinander' ein, das von französisch ravage 'Verheerung, Verwüstung' kommt. Dahinter steckt lateinisch rapere 'rauben'
[8], bzw. ein erschlossenes vulgärlateinisches rapatio 'Raub'.

Im Südhessischen Wörterbuch  kommt Ráwatsch 'geschwätzige Frau', rawátschen 'schwatzen, herumtoben' - direkt hinter Rawasche.
Dazu gibt es noch Rabatz 1. 'roher, brutaler Mensch; saurer Wein'; 2. 'Krach' (Soldatensprache des 1. Weltkriegs 'schweres Gefecht'); Rabáu 'eine Apfelsorte'; Rabaúke, Raubaúker 'roher Kerl'; Rabáuz 'roher Kerl, Krach'
[9], Rauhbautz 'roher Kerl'.

Küppers, Wörterbuch der deutschen Umgangssprache 646, gibt an, Rabatz sei erstmals belegt 1888 bei Ernst von Wildenbruch,
ein Preuße, was die Herkunft von Rabatz aus Berlin bzw. aus dem Polnischen nahe legt.

All das sind ähnliche Lautgebilde für ähnliche Sachverhalte. So ganz daneben lagen Sie also mit Ihrer Vermutung "ein lautmalerischer Ausdruck" nicht. Die Lautidee ist "rab rab machen", dazu passt das "Rhabarber, Rhabarber", das man angeblich bei Volksgemurmel auf der Bühne sagt, rappeln und ru\m/peln, engl. rap 'klopfen' und Rap 'Sprechgesang' und althessisch die Räpp 'Tanzmusik', räppen 'tanzen'. All das lässt sich nicht sauber von einem Grundwort ableiten.

 

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Datum: 2012

Aktuell: 26.03.2016