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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Schalthaken

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Frage:
Betrachtet man das Stockstädter Wappen, so fallen die beiden Stangen mit einer Spitze und einem Widerhaken auf, es handelt sich hierbei um die Darstellung von Bootshaken, Fischerhaken oder Flößerhaken.
Die Darstellung dieser Haken im Stockstädter Wappen deutet auf ein Leben direkt am und mit Rheinstrom hin. Sie sind das Symbol für die Fischerei und die Schifffahrt, die über Jahrhunderte den Lebensunterhalt vieler Stockstädter sicherte. Im Dialekt bezeichnen die alten Stockstädter diese Haken noch als Schallhooge.
Es konnte mir aber bisher leider aber niemand erklären worauf der Begriff Schallhooge zurückzuführen ist, bzw. von welchem Wort er sich ableitet.
Können Sie hier weiterhelfen?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Der hochdeutsche Name dieser Hakenstange lautet Bootshaken, die hochdeutsche Form des Stockstädter Wortes Schalthaken. Das Südhessische Wörterbuch kennt Schallhooge aus Groß-Rohrheim und Biblis, aber nur als Gerät der Feuerwehr. Sie in Stockstadt haben noch die ursprüngliche Bedeutung erhalten.
Schalte hieß im Mittelalter die Stange, mit der man das Schiff vom Ufer abstieß. Davon kommt schalten 'ein Boot mit der Stange bewegen', dann 'mit etwas umgehen, herrschen, einen Schalter bedienen'. Die Bedeutung 'herrschen' stammt aus der Zwillingsformel schalten und walten (walten 'herrschen'), die moderne Bedeutung von Schalter kommt daher, dass man die Stange immer mehr verkleinert hat zu einem kürzeren Hebel und schließlich zu einem Hilfsmittel zum An- und Ausschalten. Eine andere Bedeutung war 'Verschlussstück am Fensterladen', dann 'Schiebefenster', 'Verschlag, in dem ein Mensch sitzt, der die Kunden bedient'.
1423 ist im Lorscher Wildbannsweistum ein schalde(n) erwähnt, das war wohl ein Boot, das mit einer Stange fortbewegt wurde.

 

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Übersicht

 

Sprachecke 2016 KW45

 

Datum: 2012

Aktuell: 03.11.2016