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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

lauter

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Frage:

In der letzten Zeit sind bei Gesprächen mit Freunden mal wieder Fragen aufgetaucht, die sich alle um das Wort "lauter" drehen.

Es gibt Ortsnamen und Bäche oder kleine Flüsse, die so heißen bzw. das Wort als Bestandteil des Namens haben (Kaiserslautern, die Lauter, die im Elsass nahe zur deutschen Grenze fließt). Dann gibt es lauter im Sinne von rein, unverfälscht, das ist dann wohl auch in "geläutert" enthalten. Und es gibt es im Sinn von "ausschließlich" - heute habe ich lauter Mist geredet, z.B. Wie hängt gerade diese letzte Verwendung mit dem "Lautbild" eines Baches oder Fließgewässers zusammen?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Sie fragten nach der Lauter, ihrem lauteren Wasser und wollen rein alles wissen. In diesem kurzen Satz könnte schon die ganze Wahrheit stecken.
Könnte, muss aber nicht. Deshalb will ich mir und Ihnen die Arbeit nicht zu leicht machen. Mein persönliches Interesse: Wir wohnen in Bensheim nicht weit vom Winkelbach, der bei Gernsheim in den Rhein mündet. Der ist gerade mal anderthalb Kilometer jung und ist die Fortsetzung der Odenwälder
Lauter. Die macht am Rinnentor einen scharfen Knick und heißt von da an Winkelbach. Unsre Lauter entspringt am Hang der Neunkirchner Höhe. Dort in der Nähe liegen Laudenau und Lauten-Weschnitz. Das leitet über zu den ähnlichen Namen Lauterbach / Laudenbach und macht die Deutung ein bisschen komplizierter, als es zuerst den Anschein hatte.
Zur Auswahl stehen also lauter 'sauber' und laut 'lärmend'. Laudenbach ist 'am lauten Bach' - das Wort hatte wie engl. loud ursprünglich ein d. Lauter hat wie lauter ein t, müsste also 'sauber' bedeuten. Dieses Wort hatte ursprünglich vorne ein h, das im Namen der von ihnen erwähnten Elsässer Lauter erhalten ist, die 693 Hlutr-aha geschrieben wurde. -aha, -ach-, -a, -au ist ein altes Wort für Fluss.
Ihm entspricht auf der linken Rheinseite Glan, ein Nebenfluss der Nahe. Ein Nebenfluss der Glan ist wiederum eine Lauter, das ist also derselbe Name, einmal auf Keltisch, einmal auf Deutsch. Glan gibt es sonst nur noch im ehemals keltischen Bayern und Österreich. Es kann also sein, dass die nach Süden gewanderten Germanen das keltische glan 'sauber, klar' mit lauter übersetzt haben.

Das wäre also "geklärt". Damit kommen wir zur eigentlichen Verwendung von lauter, nämlich 'sauber', eigentlich wohl 'gewaschen, gespült'. Das hat durch ein technischen Verfahren eine andere Bedeutung bekommen, nämlich durch die "Läuterung" von Edelmetallen, die im Bergbau zuerst mit anderen Stoffen vermischt sind. Durch ein aufwändiges Verfahren werden die Beimengungen ausgeschieden, so dass am Schluss das "lautere Gold / Silber" übrig bleibt. Der so gewonnene Rohstoff besteht also zu fast 100 % aus diesem Metall und sonst nichts. Von daher erklärt sich die heutige Verwendung wie bei "lauter Unsinn" = von jeder Beimengung an Sinn gereinigt, aber auch die "lautere Wahrheit" und als Restbestand der "lautere Charakter", ohne Hintergedanken und Falschheit mit einem "reinen Herzen".

 

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Datum: 2013

Aktuell: 16.02.2018