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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

trotz Kindern

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Frage:
Ich störe mich an der Formulierung "Trotz Kindern beruflich etabliert". Nach meinem Sprachgefühl und mit Hilfe des Dudens benutze ich mit der Präposition "trotz" den Genitiv, also "trotz Kinder". Kann auch der Dativ verwendet werden?  Verschwindet der Genitiv aus der deutschen Sprache?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Trotz des Buchtitels "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" steht bei trotz immer noch der Genitiv. Da haben Sie Recht. Trotzdem würde "trotz Kinder" komisch aussehen, als ob da etwas fehlte. Duden, Grammatik § 918 schreibt dazu:

"Oft wird der Genitiv nur dann ausgedrückt, wenn dem Substantiv mindestens ein flektiertes Wort (z. B. Artikel, Adjektiv) vorangeht, das den Genitiv markiert... Andernfalls weicht man in den Dativ aus."

Duden verweist dabei auf die Genitivregel oder Sichtbarkeitsbedingung § 1534:

Eine Nominalphrase (= Wendung, in der ein Substantiv vorkommt) kann nur dann im Genitiv stehen, wenn sie mindestens ein adjektivisch flektiertes Wort und mindestens ein Wort mit s- oder -r Endung enthält".

 

"Trotz der / ihrer / kleinen Kinder" ist also richtig, "trotz Kinder" nicht.

 

Warum? Das lässt sich zeigen an der Gegenüberstellung der beiden konstruierten Sätze:

1. "Sie setzte aus Trotz Kinder in die Welt." ("Kinder" gehört zu "setzte")

2. "Sie setzte trotz Kinder(n?) Gerüchte in die Welt." ("Kinder" gehört zu "trotz")

Nur der Dativ hat eine eigene Endung. Um zu zeigen, dass "Kinder" zu "trotz" gehört, ist es deutlicher, den Dativ zu verwenden, obwohl eigentlich der Genitiv richtig wäre.

Hier hat § 1 aller Sprachregeln Vorrang: Verständlichkeit geht vor Richtigkeit.

 

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Sprachecke 22.10.2013

 

Datum: 2013

Aktuell: 26.03.2016