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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Daab

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Frage:
Zu dem (Odenwälder) Nachnamen Daab ist mir zunächst nichts weiter eingefallen. Es gibt den Namen in Deutschland 121 mal im Telefonbuch, mit einem klaren Zentrum im Odenwaldkreis, gefolgt vom Landkreis Darmstadt-Dieburg & Bergstraße. Da es den Nachnamen Taub in Deutschland nur 53 mal gibt und solche eher negativ deutenden persönlichen Eigenschaften eher selten in Namensursprüngen zu finden sind (sofern sich diese Tauben nicht auf die Vogel-Tauben beziehen sollten), nehme ich eher an, dass im Namen Daab die Odenwälder Ableitung des Tiernamens Taube, vielleicht früherer als Hausnamen, zu suchen ist (übrigens gibt es Taube in Deutschland 1776 mal, ähnlich Uhl mit 4368 Eintragungen).

 

 

   

 

Meine Antwort:

Die fränkischen und hessischen Dialekte unterscheiden zwischen Fraa 'Frau' (alt frouwe) und laut 'geräuschvoll (alt lūt), also auch daab (toub) 'gehörlos' und Daub (tūbe) 'ein Vogel' (oder dūbe 'Fassdaube). Daab ist also 'gehörlos', nicht 'Vogel'. Es gibt im Odenwald neben Daab auch Daub, das müsste der Vogel sein. Die Karte bei Geogen zeigt, dass Daub hauptsächlich auf den Südwesten beschränkt ist. Im Fränkischen ist das der Vogel oder die Daube. Die Schwaben machen zwischen beiden au einen kaum hörbaren Unterschied, da kann Daub auch 'taub' sein. Deshalb fehlt Daab im eigentlichen Schwäbischen und kommt nur an der fränkischen Südgrenze vor.

"Eher negativ deutenden persönlichen Eigenschaften" in Familiennamen gibt es durchaus: Scheel + Schiller (schielend), Kropf, Ho(h)lbein, Hinkefuß, Stelzer, Schramm, Glatz, Kahl. Auch Charakterfehler: Hebenstreit, Streit, Zänker, Zorn, Grimm, Murr, Sauer, Hochmuth, Stolz... Das waren ursprünglich Übernamen, da nahm man kein Blatt vor den Mund. Political Correctness war damals ein Fremdwort.

 

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Datum: 2014

Aktuell: 26.03.2016