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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Adverbien mit -dings

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Frage:

Allerdings, neuerdings, schlechterdings. Gibt es eine Erklärung, wie das Dings da dran gekommen ist? Weitere Zusammensetzungen fallen mir nicht ein, und dass schlechterdings im Sinne von 'durchaus, ganz und gar, geradezu' gebraucht wird, steht im Duden.

 

 

   

 

Meine Antwort:

Das ist wirklich eine vertrackte Sache:

  1. Das Nebeneinander von Dinge und Dinger, wie Worte 'Ausspruch, Rede' und Wörter 'Vokabeln', aber ohne Bedeutungsunterschied, dafür mit einem Unterschied zwischen Schriftsprache (Dinge) und Umgangssprache (Dinger).

  2. Das Substantiv Dings und das Adverb -dings:

    1. Ding-s hat dieselbe Endung wie hessisch Flanner-t-s 'Beerdigungskaffee', Dapp-es 'Tollpatsch', Dunk-es 'Tunke, Soße', eine junge Endung nur in der Umgangssprache und Mundart, vielleicht dem lateinischen -us nachempfunden.

    2. Das Adverb -dings hat dieselbe Endung wie stets ("Sie war stets in steter  Bewegung"), andererseits, meistens, morgens, blindlings.

    3. Zusammensetzungen mit -dings: allerdings, freierdings, glatterdings, neuerdings, platterdings, schlechterdings. Mehr hat auch der Duden nicht.
      -er
      ist eine erstarrte Endung, die nicht immer zu erklären ist, etwa allerdings < aller Dinge, neuerdings < eines neueren Dinges.

      Andere Adverb-Endungen sind -lich (neulich), -weise (fairerweise < in fairer Weise), -halber (
      ehrenhalber), -ermaßen (einigermaßen), -wärts (abwärts).

  3. Dings, Dingsbums (Sache), Dingsda (Name), französisch schtroumpf ist ein Platzhalter für ein Wort, das einem gerade nicht einfällt: Kreuzdenker, Sprachecke: Platzhalter

  4. Und schließlich noch die alte Bedeutung 'Thing, Volksversammlung, Rechtsgeschäft' (dingen 'in ein Arbeitsverhältnis aufnehmen', bedingen 'zur Voraussetzung haben' neben dem modernen 'Sache, Gegenstand, etwas'.

 

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Datum: 2014

Aktuell: 26.03.2016