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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

eitel

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Frage:
Gestern hörte ich von einem "vereitelten Anschlag". Das ist für mich ziemlich unbegreiflich, denn eitel (zu sein) ist doch etwas ganz anderes. Oder gibt es ein Stammwort, das ähnlich klingt?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Die heutige Bedeutung von eitel ist 'selbstverliebt, eingebildet, sehr auf sein Äußeres bedacht'. Die ursprüngliche Bedeutung war 'ohne etwas: leer, öde', daher auch 'vergeblich, nichtig'. Vereiteln ist also 'nichtig machen, erfolglos machen, verhindern'. "Eitel Sonnenschein, eitel Freude" ist nichts als = lauter Sonnenschein / Freude.

Der biblische Spruch "alles ist eitel" (Prediger 1,1) stellt alles in Frage, was die Menschen schätzen, die menschlichen Bemühungen, Arbeit, Erfolg, Reichtum, Weisheit, es ist alles vergänglich und vergeblich, "Haschen nach Wind". Dazu gehört auch der Lebensgenuss und (nicht ausdrücklich genannt) die Selbstgefälligkeit. So kam eitel zu seiner heutigen Bedeutung.

Auch andere Namen von Untugenden hatten früher eine andere Bedeutung: Geiz war nicht 'Knauserigkeit', sondern 'Habgier', Neid nicht 'Missgunst', sondern 'Feindseligkeit' und Wucher nicht 'Raffgier', sondern 'Wachstum', nämlich des Kapitals. Im Garten sehen wir, was passiert, wenn das Unkraut wuchert: Es wächst uns über den Kopf.

 

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Datum: 2014

Aktuell: 26.03.2016