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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Nagel

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Frage:
Können Sie mir beantworten, warum der Nagel als Metallstift genauso bezeichnet wird wie der Finger- oder Zehennagel? Worin besteht die Gemeinsamkeit? Welche Bezeichnung ist älter: der Fingernagel oder der Metallstift oder haben die beiden Begriffe überhaupt andere Ursprünge?

 

[1] Nagel – Wikipedia

   

 

Meine Antwort:

Wir kommen der Sache näher, wenn wir uns klarmachen, dass die Affen und wir nicht die einzigen Besitzer von Hornteilen an den Ausläufern unsrer Gliedmaßen (Nägeln) sind. Die spitzen Krallen, Klauen und Hufe der Tiere sind dasselbe. Wir brauchen unsre Nägel nicht als Werkzeug, sondern als Widerlager beim Tasten und Greifen. Daher sind sie nicht spitz, sondern platt.

Die Bedeutung 'Metallstift' ist eine deutsche Sonderentwicklung, angebahnt aber dadurch, dass z. B. im Lateinischen und Griechischen die Entsprechung von Nagel auch 'Haken' bezeichnen kann. Vorbild ist auf jeden Fall nicht der Fingernagel, sondern die Kralle.

Spitze Werkzeuge hat man ja schon in der Steinzeit benutzt: Ahlen, Nadeln, Bohrer, Angeln, Pfeil- und Speerspitzen aus dauerhaften  Material wurden gefunden, gewiss Spitzen aus anderem Material benutzt, etwa Dornen als "Stecknadeln", vielleicht auch Krallen.

Für Holzverbindungen benutzten die Zimmerer und Tischler traditionell Holznägel oder -Zapfen, auch die Schuhmacher. Die ältesten bekannten Holznägel sind 7000 Jahre alt,[1] also aus der Steinzeit. Tatsächlich bezeichnete das althochdeutsche nagal außer dem Köperteil auch ein Holzstück (Nagel, Pflock, Ruderpinne, Riegel, sogar Steuerruder).

Grundbedeutung von Nagel ist aber nicht 'Kralle', sondern 'Glied' (daher slaw. noga 'Fuß') und weiter zurück 'biegen'.

 

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Datum: 2014

Aktuell: 16.02.2018