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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Pünktlich wie die Maurer

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Frage:
Für die Redensart "pünktlich wie die Maurer" gibt es die übliche Erklärung, dass diese Berufsgruppe mit dem Glockenschlag den Hammer fallen lässt. Mir scheint das wenig glaubwürdig. Ein Bekannter berichtete nun, der Ausdruck habe damit zu tun, dass handwerklich ordentlich arbeitende Maurer (z.B. beim Aufsetzen einer Mauer) mit dem Senkblei "auf den Punkt genau" alles ausrichteten. Meine Frage: Gibt es dafür irgendwo Belege? Ist der Spruch schon irgendwo gebucht? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir auf die Sprünge helfen könnten.

 

 

   

 

Meine Antwort:

Lutz Röhrich kann in seinem Lexikon der sprichwörtlichen Redewendungen auch nichts anderes angeben als die übliche Deutung. Andere Sprüche lassen sich teilweise bis ins Mittelalter zurückführen, aber hier liegt offenbar keine schriftliche Überlieferung vor. Das einzige, was er gefunden hat, ist ein Witz von einem Maurer, der in den Rhein gefallen war und ertrank, weil er beim Feierabendsignal aufhörte Schwimmbewegungen zu machen.

Solche Berufsneckereien waren früher häufig. Die Schneider galten als spindeldürr und standen im Ruf, Stoff zu unterschlagen, die Schuster als hinterhältig, die Bauern als habgierig, weil sie oft erhöhte Preise verlangten, Beamte als faul... Ein Freund fragte mal meinen Vater: "Sind Sie noch bei der Post oder schaffen Sie wieder?" Ein junger  Lehrer fragte seine Freundin: "Willst du mich heiraten?" - "Ja!" - "Antworte im ganzen Satz!"

"Pünktlich wie die Maurer" ist ja kein Tadel, sondern ein Lob, man sagt das nicht wenn einer pünktlich aufhört, sondern wenn er zufällig genau auf die Minute kommt, weder zu früh, noch zu spät. Das lässt sich ja nicht immer so einrichten.

Und wie ist es mit der Erklärung Ihres Bekannten? Der Senkel wird ja nicht benutzt, um einen vorher definierten Punkt zu treffen, sondern er zeigt die Senkrechte an. Es kann aber sein, dass man ihn auch benutzt um bei Baubeginn von der etwas höher befestigten Markierungsschnur den entsprechenden Punkt auf der Erde festzulegen, wo der erste Stein gesetzt wird. Die normale Verwendung ist aber, damit die Mauer "im Lot ist", nicht dass es geht wie bei jenem Maurer, der zum Lehrling sagte: "Halt mal das Mäuerchen, ich will die Rechnung schreiben." 

Ich frage mich aber, warum man gerade den Maurern diese Pünktlichkeit nachsagte. Vielleicht hilft da ein anderes Klischee weiter: Die Zimmerleute seien gesellig, die Maurer Eigenbrötler. Das kann ich in gewisser Weise verstehen, denn beim Aufstellen des Fachwerks und des Dachstuhls muss man Hand in Hand arbeiten und die Arbeit genau planen, man kann nicht um fünf einfach aufhören und den gerade hochgezogenen Balken wieder fallen lassen. Der Maurer dagegen setzt Stein auf Stein, ob er jetzt die Reihe noch fertig macht oder nicht, ist egal, die Mauer nimmt davon keinen Schaden.

 

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Datum: 2014

Aktuell: 16.02.2018