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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Schalk

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Frage:
Wieso sitz der "Schalk im Nacken"?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Ein Schalk war ursprünglich ein Knecht. Knechte hatten es an sich, dass sie dumm und faul waren - dumm, weil sie nicht mitdenken durften, und faul, weil sie an solcher stumpfsinnigen Arbeit kein Interesse hatten. Und trotz der angeblichen Dummheit hinterlistig und verschlagen.

Dass Schalk nur ein Abhängigkeitsverhältnis bezeichnete, ohne Aussage über die Art der Arbeit und die menschlichen Qualitäten, sehen Sie am Marschall, heute ein hoher Offizier, ursprünglich ein Pferdeknecht (althochdeutsch marah-skalk, marah war der meriha ihr Mann, also Hengst und Stute; da die Hengste als wertvoller galten, bedeutet heute Mähre 'schlechtes Pferd). Pferdeknecht des Königs zu sein, war ein ehrenvolles Amt mit viel Macht. Der Marschall holte vielleicht den fertig aufgezäumten marah des Königs aus dem Stall und half seinem Chef in den Sattel, sonst aber überließ er die Dreckarbeit den Stallburschen und befehligte eine Abteilung Soldaten. Ähnlich der Schenk, eigentlich Kellner der Königs, sonst aber mit anderen Aufgaben betraut. Der Schenk von Erbach war ein Fürst mit eigenem Ländchen.

Im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung von Schalk verlagert von 'Arbeitnehmer' zu 'Mensch mit schlechten Eigenschaften' und schließlich zu 'schlechte Eigenschaften' und 'einer, der mit anderen seinen Spaß treibt'. Da man keine rechte Vorstellung mehr hat von einem Schalk, entstand die Vorstellung von einem listigen und lustigen Wesen, einem Dämon, der wie der kleine Mann im Ohr sitzt und einem auf dumme Ideen bringt oder aber "im Nacken", d.h. wie ein Reiter auf der Schulter sitzt und den Menschen lenkt, daher der Ausdruck Besessenheit. Dass Dämonen den Menschen reiten, geht noch aus der Redensart hervor "dich reitet der Teufel". Früher scheint das eine geläufige Vorstellung gewesen zu sein. Sie hat sich auch in Sagen und Märchen niedergeschlagen. In Aachen steht die Statue des Baahkaufs (Bachkalbs), das einem Nachtschwärmer auf dem Heimweg auf den Rücken springt.

Bei uns sagt man "Er trägt einen Affen heim" oder "hat einen Affen" oder "einen sitzen". In 1001 Nacht und bei Grimm wird von einem Reisenden erzählt, der von einem Geist angesprungen wurde, den er künftig auf dem Rücken tragen musste. Er machte diesen Hockauf / Huckup betrunken und schlug ihn tot.

 

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Datum: 2014

Aktuell: 26.03.2016