Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Schmiermaxe, verfranzen

Email:

   

Frage:
Heute war im Echo ein Artikel über das Motorradrennen in Dieburg. Eine Teilnehmerin des Rennens sagte: "...Ich bin nur wenige Zentimeter vom Boden weg, deshalb nennt man uns Beifahrer auch Schmiermaxe..."

Da scheint mir keinerlei logischer Zusammenhang gegeben zu sein. Ich glaube vielmehr, dass man früher den Mechaniker (Schmiermaxe), der immer dabei war und während des Rennens sowieso nichts zu tun hatte, als Beifahrer eingesetzt hat. Dann hat man die Bezeichnung auf jeden Beifahrer übertragen.

 

Bei der Gelegenheit: Ich habe mal gehört dass der Ausdruck "ich habe mich verfranzt", also verfahren, von einem Ausdruck wie "Schmiermaxe", in diesem Fall von "Franz" kommt. Wie Schmiermaxe soll Franz eine Bezeichnung für eine bestimmte Tätigkeit, im Umfeld der Fliegerei für den Beobachter, gewesen sein. Wenn der Beobachter ("Franz") die Orientierung verloren hatte, hatte er sich "verfranzt".

 

 

   

 

Meine Antwort:

Mir scheint, dass Sie Recht haben: Nach Umgangssprache bezeichnet Schmiermaxe außer 'Monteur' = Mechaniker und 'Beifahrer' auch den 'Mechaniker im Flugzeug' und einen Angehörigen der technischen Truppe.

Eine Aufgabe des Mechanikers war ja das Schmieren; er hatte aber auch mit verschmutzten geschmierten Metallteilen zu tun, und dementsprechend verschmiert sah er aus.

 

Dass auch verfranzen aus der Fliegerei kommt, haben Sie ja schon geschrieben. Nach derselben Quelle:

Dass auch verfranzen aus der Fliegerei kommt, haben Sie ja schon geschrieben. Nach derselben Quelle: Universal-Lexikon war das ein Fehler des Flugbeobachters, der sagte, wo's lang ging, und sich wohl auch als Schmiermaxe um die Technik kümmerte.

Hier ist der Zusammenhang etwas komplizierter. Beim Schmiermaxen ist es klar, dass ein Name dahinter steckt, vgl. Film-, Zeitungsfritze, so auch Wurst-, Klettermaxe. Aber zu Franz finde ich nichts Vergleichbares, nur Franzband 'Art Bucheinband' und Franzmann 'Franzose'.

Dann ist zu bedenken, dass verfranzen ein Verb ist. Man kann ja auch aus Namen Verben bilden (röntgen, kaspern, verballhornen, nach dem Entdecker, der komischen Figur im Puppenspiel, einem Buchdrucker, der ein fehlerhaft abgeschriebenes Buch gedruckt hatte).

Eben habe ich auch das einfache franzen 'fliegen auf Sicht' entdeckt:

Wikipedia

Das ist ein so spezieller Ausdruck, dass ich seine Geschichte nicht zurückverfolgen kann. Franzen kann aus verfranzen rückgebildet sein ('falsch orientieren > richtig orientieren'), eher aber umgekehrt (verfranzen 'falsch franzen'). Dann sollte man annehmen, dass diese Methode nach einem Herrn Franz benannt ist, der sie ausgetüftelt hat. Oder nach einem Kartenverlag.

 

nach oben

Übersicht

 

 

 

Datum: 2014

Aktuell: 26.03.2016