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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

stockduster

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Frage:
Woher kommt der Ausdruck stockduster? Und was macht der Stock dabei?

 

 

   

 

Meine Antwort:

Stockduster ist kein hessischer Ausdruck, bei uns heißt es stockdunkel oder mundartlich stichedunkel. Dem entspricht niederländisch stikdonker, das man verstehen kann als erstickend dicke Luft, die kein Licht durchlässt.

Stock- hat eine ähnlich verstärkende Bedeutung in stockfinster, ‑still, ‑blind, ‑dumm, ‑taub, ‑steif (hessisch steckensteif), dazu das merkwürdige stechkanonenvoll = voll wie eine Haubitze 'betrunken'. Stockkatholisch (gibt's wohl auch von evangelisch, aber w i r Evangelischen sagen ja so was nicht von uns selber) leitet über zu verstockt 'verbohrt, eigensinnig, uneinsichtig' und stocken 'nicht weiterkommen, steckenbleiben'.

Angefangen hat das wohl bei Wendungen wie stockstill, stocksteif 'liegt da wie ein totes Stück Holz', dann weiter als 'sehr ...'

Kanone oder Haubitze ist das "schwere Geschütz", das man "auffährt", wenn leichte Waffen nichts nützen, daher auch die verstärkende Bedeutung 'sehr'. Stech- erinnert mich an ein volles Fass, das angestochen wird mit einem Zapfhahn. Und an das "Hauen und Stechen" der Soldaten im Feuer der Schusswaffen, die nicht nur Krach und kaputt machten, sondern auch Pulverdampf erzeugten, der die Sicht behinderte, stank und den Atem stocken ließ.

Das alles sind mehr oder weniger dunkle Bilder, die mit den Wortformen spielen, sodass es kaum greifbare, logisch verständliche Erklärungen gibt. 

Duster, düster ist ein niederdeutsches Wort und bedeutet eigentlich 'trübe, neblig' (zu altnordisch þoka 'Nebel').

 

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Datum: 2014

Aktuell: 26.03.2016