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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Fragen und Antworten

Lein  aufgeht

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Frage:
ich fand auf Ihrer Seite unter den südhessischen Redensarten "daß eim de Lein aufgeht" aus Katharina Knie. Mich würde interessieren, ob sich sagen lässt, wie es zu dieser Redensart für "das Herz aufgeht" wohl gekommen ist.

 

 

   

 

Meine Antwort:

Der Volksmund hat es an sich, dass er gern mit überlieferten Texten spielt: "Morgenstund... ist aller Laster Anfang", "Du kannst mich mal... gern haben", "glotzen und staunen > Bauklötzer staunen". Bei "Einfälle wie ein altes Haus" liegt ein Wortspiel zugrunde:  Einfall: 1. 'Einsturz', 2. 'Idee'.

Ähnlich spielt "dass einem der Lein aufgeht" mit den Bedeutungen von  aufgehen: 1. 'sich öffnen' (vom Herzen), 2. 'keimen und wachsen' (von Samen). Mit einer 3. Bedeutung 'sich ausdehnen' spielte  der Frankfurter Friedrich Stolze: "Jetz, Herz, geh uff wie Heweklees (= Dampfnudel) bis in die klaanste Fältche":

Dass gerade der Lein und nicht etwa der Hafer oder die Rübe genannt wird, ist Zufall. Der Volksmund liebt es gern konkret und nennt lieber Beispiele statt abstrakte Formulierungen zu benutzen.

 

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Datum: 2015

Aktuell: 16.02.2018